Volksball à la française
Cancan, Baguette, Guinguette. Das Triptychon der Frankreich-Klischees enthält gleich zwei Tanztraditionen aus dem 19. Jahrhundert, und beide sind mit dem Ball liiert. Während der Cancan derzeit versucht, wieder ein authentisches statt rein touristisches Dasein zu finden, stehen die Guinguettes an den Flussufern vor den Toren von Paris schon längst wieder in voller volksnaher Blüte. Zumindest in der warmen Jahreszeit. Renoir und Van Gogh hielten sie in Ölfarben fest, so wie Toulouse-Lautrec das Treiben in den Cabarets auf Montmartre überlieferte.
In den 1970er-Jahren, als Frankreich seinen Nachkriegsaufschwung erlebte und sich modernisierte, als überall Kulturhäuser gebaut wurden und mitten in Paris das Centre Pompidou entstand, da erschien es seinen Bewohnern muffig und provinziell, die Hauptstadt zu verlassen, um in der Banlieue das Tanzbein zu schwingen. Das Wochenendvergnügen suchte man fortan in Rom, Amsterdam, Madrid oder Berlin. Die meisten der Tanzlokale am Flussufer wurden abgerissen. Doch einige überstanden die Flaute, und heute gibt es wieder eine richtige Szene, die sich trifft, sobald die lauen Sommernächte locken, und die jedes Jahr am 14. Juli ihre «Miss Guinguette» ...
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Tanz Mai 2018
Rubrik: Serie: Gesellschaftstanz, Seite 64
von Thomas Hahn
Für die Künste war und ist es immer dann einfach, sich aus der Politik und gesellschaftlichen Umwälzungen herauszuhalten, wenn die Künstler stillhalten. Das gilt besonders für das Ballett, die eskapistische Kunst schlechthin, die bis zum 19. Jahrhundert nur als Zerstreuung zwischen allem szenisch Gewichtigen diente. Es gilt aber auch insgesamt für den Tanz als mal...
Mit einer Triple Bill feiert Londons Royal Ballet den 100. Geburtstag von Leonard Bernstein. Die drei Choreografien des Abends – Wayne McGregors «Yugen», Liam Scarletts «The Age of Anxiety» und Christopher Wheeldons «Corybantic Games» – greifen Musikstücke aus verschiedenen Schaffensphasen des Komponisten und Dirigenten auf. Eine ganz besondere Bedeutung für die...
soul chain
Auch wenn die 17 Tänzer und Tänzerinnen die ganze Zeit wie auf Zehenspitzen agieren: Geräuschlos geht die «Soul Chain» von Sharon Eyal deswegen kaum vonstatten. Dafür sorgt schon der DJ und Komponist Ori Lichtik, der mit seinen heftigen Technobeats immer wieder den Tanz so aufpeitscht, als wolle er auf «Le Sacre du printemps» von Igor Strawinsky...
