Bochum: Michaela Fünfhausen: «Kassandra»
«Vor den Bildern sterben die Wörter», heißt es am Ende. Und auch am Anfang des Tanztheater-Projekts sagt Kassandra kein einziges Wort. Kassandra, das ist in diesem Fall Jannis Arampatzis, Grieche von Geburt und seit der Jahrtausendwende Mitglied des von Achim Freyer gegründeten Freyer-Ensembles. Er muss sich ein Bild erst schaffen, bevor er seine Sprache wiederfindet. Noch ist das Mosaik im sonst schmucklosen Saal unvollständig, nur zu drei Viertel geformt aus länglichen Holzklötzchen, die Michaela Fünfhausen entweder in ihrer Naturfarbe belassen oder schwarz eingefärbt hat.
Nicht, dass Arampatzis die Scheite schichtet, auch wenn das Feuer später eine Rolle spielt. Aus den Bruchstücken einer zerstörten Stadt stellt er vielmehr das Grundraster von Kassandras Erinnerung her.
Ein vergeblicher Versuch: «Das Troja meiner Kindheit existiert nur noch in meinem Kopf.» Und nicht nur das: Auch er ist, wenngleich aus der Zukunft kommend, letztlich nur ein Sendbote der Vergangenheit. Lichtpunkte flackern, als brenne die Stadt in seiner Fantasie erneut.
Kassandra hat das Unheil von der Stadt nicht abwenden können, obwohl sie deren Ende kommen sah. Von Apoll verflucht, finden ihre prophetischen ...
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Tanz Juni 2016
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 36
von Hartmut Regitz
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