Nackte Körper
Nackte Körper und moderne Performance – diese Kombination scheint auf vielen Bühnen fast so etwas wie ein Muss zu sein. Warum, habe ich lange nicht verstanden. Bis ich – eine von 15 gecasteten Amateurinnen – bei einem Tanzprojekt auf der Bühne des Staatstheaters Darmstadt stand. In Nadia Beugrés Choreografie «Legacy» tanzen alle Frauen mit nacktem Oberkörper. «Muss das sein?», habe ich mich zu Beginn der Proben gefragt.
Erste Probe: Wir sitzen alle angezogen auf dem Boden des Ballettsaals.
«Eure Rolle ist es, Amazonen zu sein», erklärt uns Dramaturg Boris Hennion. Die Performance verarbeitet Geschichten von vergessenen Heldinnen aus Afrika. Eine davon ist der «Marsch nach Bassam»: Um ihre Männer und Söhne aus dem Gefängnis zu befreien, liefen 1949 etwa 500 Frauen 40 Kilometer weit in die Hafenstadt der Elfenbeinküste und stellten sich nackt Polizei und Militär entgegen. «Die Nacktheit in der Performance hat nichts mit Sexualität, sondern mit Dringlichkeit zu tun», sagt Nadia Beugré.
Zweite Probe: Zwei Frauen sind nicht mehr dabei. Eine weitere hat sich die Erlaubnis ihres Chefs geholt, bevor sie mittanzt. Ich selbst frage mich: Wie würde es sich anfühlen, wenn meine Kollegen zur ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Juni 2017
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Sara Mierzwa
Am Ende stehen sie uns frontal gegenüber, resigniert und verloren vorne an der Rampe. Einer hebt unsicher die Hand, eine andere streckt sie uns suchend entgegen, wohl wissend, dass sie keine Antwort bekommen werden. Ohne jedes Pathos, in Bildern an der Grenze zum Abstrakten, stellt James Sutherland in seiner ersten großen Uraufführung fürs Pfalztheater die Frage...
Newcomer: Karol Tyminski
Acht Jahre Ballett in Warschau, zwei Jahre zeitgenössischer Tanz bei P.A.R.T.S. in Brüssel, fast vier Jahre in der Welt von Trisha Brown und Bill T. Jones in New York, seit sechs Jahren in Berlin in der zeitgenössischen Queer- und Technoszene: In diesen zwanzig Jahren wurde aus einem biegsam federnden Ballettkörper ein Komponist, der seine...
Keiner gleicht dem anderen. Jeder Tänzer in Trier ist unverwechselbar. Vielleicht ist das mit ein Grund, weswegen jedes Mitglied der Susanne Linke Company seinen Platz so vehement behauptet. «Imagine a .... Right in the Middle» nennen Julio Cesar Iglesias Ungo und Alexis Fernandez Ferrera ihre Arbeit, und tatsächlich beansprucht jeder Einzelne darin für sich das...
