Schwarze Sylphiden
Sie wird erst einmal ein Jahr pausieren. Ab Februar 2020 vermerkt ihr Kalender keine Uraufführung, nur hier und da eine Einstudierung aus dem bereits verfügbaren Repertoire. Ansonsten will sie mehr Zeit fürs Nachdenken und für die Familie. Crystal Pite ist eine kluge Frau. Eine, die weiß, dass man sich nicht pausenlos verausgaben kann, ohne irgendwann im Leerlauf zu landen. In den letzten Jahren hat die Choreografin im Marathonmodus geackert.
Eine Kreation nach der anderen, mal für eine Premium-Kompanie in Europa, mal für ihr persönliches Versuchslabor, die neunköpfige Equipe Kidd Pivot in Vancouver, mit der sie en miniature erprobt, was später als groß dimensionierte Produk-tion auf den Bühnen von London, Paris oder Zürich zu sehen ist. So hat sie es auch mit «Body and Soul» gehalten, ihrem jüngsten Werk und ersten Abendfüller für die Alte Welt: drei Akte, 75 Minuten – bei der Premiere im Pariser Palais Garnier mit Ovationen bedacht.
Küsse und Bisse
Schwefliges Licht fällt herab, stanzt einen Raum ins Dunkel. Zwei Männer harren darin aus, wie in einer Kerkerzelle. Der eine liegt bäuchlings am Boden, der andere steht daneben. Nüchtern beschreibt eine Frauenstimme, was geschieht: ...
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Tanz Dezember 2019
Rubrik: Produktionen, Seite 12
von Dorion Weickmann
Viel muss Amilcar Moret Gonzalez’ Eugen Onegin nicht machen. Ein Glas leeren, eine Zigarre rauchen, einem Lakaien Hut und Mantel reichen. Tanzen? Ach was. Kurz wird er genötigt, ein paar Schritte zu vollführen, Sprünge, Drehungen, das macht er kalt lächelnd mit, und schon liegen ihm alle Herzen zu Füßen. Die Bühne gehört ihm, sobald er sie betritt.
Alexander...
Für mich ist Billy Forsythe der ultimative Klassiker. Ein wahrer Erbe von Petipa und Balanchine. Sein Verständnis der reinen klassischen Linie, ihrer Wurzeln, Strukturen und ihres Vokabulars sowie dessen, was «klassisch» wirklich bedeutet – all das hat ihm die Freiheit gegeben, die Regeln zu brechen und diese Sprache weiterzutreiben als irgendwer anders. Ich bin...
Schon im Jahrbuch tanz 2019 wurden «Die sechs Brandenburgischen Konzerte» zur «Aufführung des Jahres» gekürt. Im November ehrten die Theaterschaffenden die Choreografie von Anne Teresa De Keersmaeker für ihre «Gelassenheit» mit dem Deutschen Theaterpreis «Der Faust». Offensichtlich konnte sich auch die Jury der «Sog-Wirkung» nicht entziehen, die «der...
