Tatjana Gsovsky
Tatjana Gsovsky beherbergte den Komponisten Hans Werner Henze, der im Gegenzug der Russin die Zwölftonmusik nahebrachte.
1952 entstand im Berliner Hebbel-Theater das Ballett «Der Idiot». Klaus Kinski mimte die Dostojewski-Figur. Ihm fiel ein Bühnenelement auf den Kopf. Für eine Weile verlor er das Bewusstsein. Ballett war noch Abenteuer. Was «Ballett» aber sei, darüber stritt man bis 1993, bis Tatjana Gsovsky starb.
Fünf Jahre später, zur Gründungssitzung der «Werkstatt Tanz-wissenschaftlicher Nachwuchs», sprach ein gewisser Michael Heuermann über die Entwicklung ihres «Berliner Stils». 2001 promovierte er über die stolze Pädagogin. Jetzt liegt seine Biografie vor: «Tatjana» heißt sie.
Das Beste: Er glaubt nicht alles, was erzählt wird. Aber wie bekommt man ihren «Berliner Stil» zu fassen, der in der Vorkriegszeit in den Variété-Theatern, im Wintergarten und im Scala entstand, in der Nachkriegszeit zum Erzählballett mutierte?
Gsovsky nahm literarische Vorlagen wie «Hamlet» und machte daraus alles: Pantomime, Klassik, Tragödie. Sie gab dem Zuschauer, was er vom Theater verlangte. Etwas zum Festhalten. Um dann Zeitgeist zu choreografieren, Surrealismus hieß er damals. Das war nicht ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Das könnte Sie auch interessieren:
Hommage à Tatjana Gsovsky
Nora Vesco - die Gsovsky-Tänzerin
Ballett in Zeiten des Kalten Krieges
Vladimir Malakhov
Sie haben gestern Abend Jerome Robbins’ «Faun» getanzt. Was für ein Faun ist das für Sie? Der Faun von Robbins ist ein Mensch mit sexuellem Begehren. Der von Nijinsky, den ich später choreografieren will, ist sehr viel tierischer. Die Bewegungen von Robbins folgen eher menschlich dem Wunsch nach der Frau, die Bewegungen von Nijinsky mehr dem...
When the curtain lifts on Cavalia, a woman and a gelding stand on a stage covered in sand. They appear to be strangers to one another – fine representatives of their species and sexes, reflected in the pool of water between them. But when the woman moves, the horse responds and when the horse moves, the woman responds. She offers him water from her hand, he drinks....
Wo genau verläuft die Grenze zwischen Mensch und Tier? In Mythen und Sagen, in den frühesten Zeugnissen von Ritual und Kunst, in der Geschichte des Wissens ist sie unscharf. Nur in der Bibel ist die Beziehung noch klar: Adam im Paradies, als Ebenbild Gottes, gibt den Tieren ihren Namen. In dieser Weise herrscht er über sie – doch schon Thomas von Aquins Kommentar...
