nürnberg: goyo montero «latent»

Tanz - Logo

Noch ist der «Mann» mit sich allein. Er dreht und wendet sich. Taucht ein in Shakespeares Sprache, die nur in Splittern erkennbar wird und deshalb etwas Albtraumhaftes hat. Eine fixe Idee. Er kommt von ihr nicht mehr frei, und irgendwann konkretisiert sich seine psychische Projektion auch in einer leibhaftigen Gestalt: die Frau im dunklen Anzug, verkörpert von Sayaka Kado.

Der Ausgangspunkt für «Latent» ist, man merkt das an der Personenkonstellation, durch die Musik – Hector Berlioz‘ «Symphonie fantastique» − vorgegeben: Spiegel der Obsession des Komponisten für Harriet Smithson, eine der Shakespeare-Interpretinnen ihrer Zeit. Uwe Scholz hat diese Besessenheit einst in seiner «Symphonie fantastique» thematisiert, ein «Meisterstück», wie Nürnbergs Ballettdirektor Goyo Montero im Programmheft sagt – ihm unvergessen, weil es eins der ersten Werke gewesen ist, die ihn als Tänzer gefordert haben. Seither «lebt» er mit dieser Musik und dem Gedanken, dazu etwas zu choreografieren. Nicht zuletzt um von dieser Idée fixe loszukommen, legt er sie seinem ersten sinfonischen Ballett zugrunde und macht sie zugleich zu einem Seismografen, dessen Bewegungen er auf seine Weise nachgezeichnet hat.

W ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz März 2016
Rubrik: Kalender, Seite 44
von Hartmut Regitz

Weitere Beiträge
Termine

deutschland

On tour
Ballet Revolución mit neuer Show: Moves zwischen Ballett und Streetdance treffen auf den Live-Sound internationaler Club-Hits, auf Pop, R&B, Hip-Hop und lateinamerikanische Rhythmen: Hamburg, CCH, 1.–6. März; Bremen, Musical Theater, 11.–13. März; Berlin, Admiralspalast, 15.–20. März; Duisburg, Theater, 22.–27. März; Frankfurt am Main, Alte...

schwanenschritte

Neunzig Quadratmeter feinstes, jungfräulich weißes Papier, wie ein Tanzteppich auf dem Boden ausgerollt. Schon nehmen die Schwänchen Aufstellung, reihen sich zum ikonischen Pas de quatre aus dem «Schwanensee». Ihre Spitzenschuhe pikieren den Untergrund, die Sohlen senken und heben sich synchron, der Abstand zwischen seitlich geneigter Wange und Schulter scheint mit...

münster: hans henning paar «homo sacer/sacre»

Igor Strawinsky wäre sicher pikiert: Das Sinfonieorchester Münster donnert seine Komposition «Le Sacre du printemps» nur so aus dem Graben – und auf der Bühne benimmt sich die elegante Partygesellschaft völlig daneben. Nur die bloßen Füße erinnern noch an das archaische Urstück. Zu den zeitgenössischen Versionen des Jahrhundertwerks steuert der Münsteraner Tanzchef...