babel ohne schranken

Sidi Larbi Cherkaoui und Damien Jalet schlagen den Heilsweg ein, mitten durch das Sprachengewirr der Globalisierung

Tanz - Logo

Die Vertreibung aus dem Paradies ist ein Fortsetzungsroman mit offenem Ende. Vom Biss in den Apfel über die Sintflut, vom Turmbau zu Babel über die Kolonialgeschichte bis zumHolocaust, dem Fall der Mauer, 9/11. Nichts als Abgründe.

Wiederholt sich Geschichte andauernd, beißt sie sich gar in den Schwanz? Welche Rolle spielt die Globalisierung? Bedeutet sie nicht den Neubau des Turms zu Babel, gebaut auf Börsenkapital? Klingt Babel nicht wie bubble? Sind Spekulationsblasen Altlasten der Turmbauer oder deren (unan)ständige Neugeburt? Und wieder wird ein Turm eingeweiht, eine Mauer errichtet, ein Ghetto geschaffen. Die Welt dreht sich im Kreis, und nebenbei wird getanzt. Wie ist so viel Schizophrenie zu ertragen, wenn nicht mit Humor? Eine Tanzkompanie in Europa kann Interpreten aller Kontinente vereinen, aber wenn Künstler aus Afrika oder Lateinamerika zu Gastspielen nach Europa wollen, prallen sie immer öfter an der Festung Schengen ab. Die Menschheit kauft Einheitsprodukte, aber die Kommunikation zwischen den Kulturen nimmt ab. Statt Dialog nur noch paralleles Anbeten immer neuer Ikonen der Massenkultur. Macht die Globalisierung es leichter oder schwerer, sich zu verständigen? Wie kommuniziert man, während man aneinander vorbeirauscht, als Geschäftsreisender, Tourist oder Interpret einer Choreografie? Entsteht Gemeinschaft nur noch dort, wo man gemeinsam leidet wie Migranten vor dem Schlagbaum? ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Das könnte Sie auch interessieren:
Der Choreograf des Jahres


Tanz Juli 2010
Rubrik: produktionen, Seite 8
von Thomas Hahn

Vergriffen
Weitere Beiträge
salzburg: sommerszene

Vom 8. bis 17. Juli erkennt die vierzig Jahre alte Salzburger «Sommer­szene» ihre Stadt als einen «Modernismusverweigerungshort», der außer Herbert von Karajan nicht einen Künstler hervorgebracht hat, der in die Stadt zurück­wirkte. Wolfgang Amadeus Mozart floh, die anderen auch. Weil das so ist, werden die Theater jetzt umgewidmet und zu Orten für Ausstellungen,...

heinz spoerli

Heinz Spoerli,
in einem Interview aus dem Jahr 2006 sagten Sie, Sie hätten Angst um das Ballett, dass es von den Bühnen verschwinden könnte. Geben Sie Entwarnung, oder sehen Sie diese Gefahr immer noch? Diese Befürchtung habe ich weiterhin. Genauer gesagt: Der künstlerische Tanz ist gefährdet. Mir geht es nicht um die Frage: klassischer oder moderner Tanz. Ich habe...

barcelona: Saburo Teshigawara «Mirror and Music»

Nach wie vor ist der 57-jährige Saburo Teshigawara der erste Avantgardist des japanischen Tanzes und überhaupt einer der produktivsten Choreografen im Land. Neben «Double Silence» und «She», ein Solostück für seine lang-jährige Partnerin Rihoko Sato, schuf er in einem einzigen Jahr auch «Mirror and Music», ein weiteres Werk in seinem hoch ästhetischen Spiel in...