das grand jeté
Die Fensterrahmen in den Garderoben der Tänzerinnen sind lange nicht gestrichen worden, die Gardinen hängen schlapp, Gittertüll, war mal begehrt, war mal modern, irgendwann in den Sechzigern. Das Tutu auf dem Fensterbrett, fröhlich aufgeplustert, touchiert die müde alte Gardine in gewohnter Vertrautheit, Tüll zu Tüll, Berührung in Geborgenheit, «Schwanensee» forever, fünfundzwanzig Meter Tüll werden vernäht für ein einziges Tutu. Das halbe Fenster gibt den Blick auf den Dachgarten frei, auf dem sich eine propere Putte an einen barocken Zierpott schmiegt.
Die Schichten der Geschichte verschmelzen zu einer Patina aus Stuck, Blattgold und Plaste. Knobelsdorff-Architektur, Paulick-Rekonstruktion, DDR-Gebrauchsästhetik. Die Zeit fließt, sie schließt ihre Bünde im Licht eines frühen Morgens oder eines späten Nachmittags, wenn sie sich verbrüdert mit dem Vergehen. Komplizenschaft der Epochen. Wer hat das Tutu, den weißen Traum von Schweben und Hoffen, wer hat das Tutu da hingelegt? Beatrice Knop, Polina Semionova oder Elisa Carrillo Cabrera – wer war die zufällige Arrangeurin der poetischen Mitteilung?
Kerstin Zillmer, die Fotografin, ist die Entdeckerin dieses Stilllebens kurz vor dem ...
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Was wird aus der Liebe in einer kalten, mechanisierten Welt? Fragen dieser Art stellt sich Thierry Malandain gern. Eine Antwort gibt er nicht, doch nähert er sich dem Kern, wenn er die Mutter aller Liebesmythen in unsere Zeit versetzt. Kein Paar kommt so häufig auf die Bühne wie Julia mit ihrem Romeo. Das Ballet Biarritz legt noch eine gehäufte Schippe drauf:...
«Im Prinzip braucht man nur zwei Kameras, die parallel in die Welt gucken», sagt Nikolai Vialkowitsch und schmunzelt, denn man hat ihn engagiert, weil es beim 3-D-Verfahren um mehr als nur ums Prinzip geht. Simpel gesagt, zeichnen zwei Kameras im Augenabstand für je ein Auge ein Bild auf.
Schon das ist ein grundsätzliches Problem. Die Objektive gängiger Kameras...
Es ist fraglos John Neumeiers monumentalstes Werk. Das, mit dem er sich am längsten auseinandergesetzt hat, sein , wie er bekennt, intensivstes Schaffenserlebnis seiner Karriere. Immer wieder während der Entstehung hat er gerungen, ob es richtig ist, sich eines solchen «Heiligtums» der Musik anzunehmen. Neumeiers Choreografie zu Johann Sebastian Bachs Passion war...
