Dunkelkammer
Was ich sehe: Zeilen, Ecken, die Tischkante, die Linie der Theke, ein Regal mit Flaschen. Etikette.
Endlich Buchstaben: Hurra, das Gerade verbündet sich mit der Kurve, ich liebe das.
Die Bedienung serviert Tee in einem Glas von perfekter Geometrie, das Tablett ist rechteckig mit Blumenmuster, auf ihrer Schulter wuchert ein Tatoo, ich liebe das. Punkt. Punkt. Schleife. Strich. Tänzer zeichnen Spiralen und Arabesken aus Fleisch, Gedärm und Knochen. Das liebe ich auch.
Wo ist der Raum? Kein Raum. Kein Raum für Raum.
Zu viele Artefakte, zu viele Überdruckventile und Sollbruchstellen, zu viel raffinierte Asymmetrien, zu viel Schönheit. So viele Fallen, so viele Fesseln, um den Stier zu bändigen. Einst hat es geknallt. Dehnt er sich nun aus, oder zieht er sich zusammen? (Draußen am See, die schwammige Natur. Kreuchend und fleuchend. Der Sonne entgegen.)
Zurück nach Hause: Das Tier lauert im Dunklen. Des Abends, wenn wir uns der Schwere hingeben, ermattet vom Tragen der Last. Des Körpers. Der Lider. Des Anderen. Das Wasser stürzt zu Tal und kommt zur Ruhe. Spiegelglatt. Wir schließen die Augen.
Die Zeit beschleunigt sich, die Stimme bekommt wieder Farbe.
Wir sind allein. Schwingung ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Das Burgenland ist ein schöner Platz in Österreich: sanfte Hügel, weite Felder, dazwischen verstreut Dörfer und Städtchen. Potenzielle Ufo-Landeplätze in rauen Mengen. Der Burgenländer befeuchtet seine Kehle gern mit trockenen Weinen und gerät darob bisweilen in ordentliche Wallungen. Blutgierig tanzen Schwärme von Mücken an den Ufern des Neusiedler Sees.
In...
Am 1. Juli 1995 wurde Brigitte Lefèvre zur Ballettdirektorin der Opéra National de Paris ernannt. Zehn Jahre ist das her – Zeit für eine Bilanz.
Dank ihrer außergewöhnlichen Laufbahn (Tänzerin der Pariser Opéra, dann Choreografin und Gründerin einer zeitgenössischen Kompanie, später Beauftragte für Tanz, am Ende sogar die erste «Déléguée à la Danse» im...
Die kulturpolitischen Maßnahmen kommen und gehen, die kuratorischen Setzungen prägen eine Spielzeit oder eine Saison, die choreografischen Entwicklungen ereignen sich irgendwo, wo man selbst meist nicht ist, und die tänzerische Darbietung findet seit je im ontologischen Niemandsland statt. Gäbe es nicht das Archiv – oder besser gesagt, die Vielzahl von...
