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neumeier: «tatiana»

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Der seit Langem schon offensiv traditionsbewusste John Neumeier, der als junger amerikanischer Tänzer in Stuttgart die Entstehung von John Crankos «Onegin» miterlebte, hat 2014 nach jahrelanger Vorarbeit eine eigene Kreation nach Puschkins Versroman herausgebracht: «Tatjana» sollte die weibliche Hauptfigur der Vorlage stärker in den Fokus rücken und die Geschichte frischer erzählen. Dazu bestellte Hamburgs Ballettchef neuerlich eine Partitur bei der polystilistisch komponierenden Russin Lera Auerbach.

Die kopiert sich fleißig durch die Musikgeschichte, bedient sich vor allem in den Gesellschaftsszenen bei Dmitri Schostakowitschs melancholischen Walzern. Die zehn Szenen ziehen sich, besonders im ersten Teil der «choreographischen Episoden», die jeweils eher Skizze geblieben sind. Neumeiers Bewegungs-Output funktioniert natürlich auch auf Autopilot, doch bewegt er diesmal in eigener, kleinteilig zusammengepuzzelter Ausstattung sowie selbst gesetzter Lichtführung nur eine Art Wachsfigurenkabinett. Die Darsteller mühen sich mit allen emotionalen und kinetischen Kräften, doch weder Hélène Bouchet als aufopferungsvoll die Bühne beherrschende Tatjana, noch der hohlwangige Edvin Revazov ...

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Tanz November 2016
Rubrik: Medien, Seite 61
von Manuel Brug

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