«atomENGEL» von shot AG
Kein Engel himmelwärts. Die neue Arbeit der shot AG, eine erste und viel versprechende Koproduktion mit dem Staatsschauspiel Dresden, thematisiert ihren eigenen Worten zufolge stattdessen «persönlichkeitsstrukturelle und gesellschaftlich relevante Erscheinungsformen von Ambivalenz». Diese Zwiespältigkeit, diese Zwitterhaftigkeit, von der Balzac in «Séraphîta» so beispielhaft erzählt, ist auf «normale» Weise so wenig zu fassen, wie das Geschlecht der Engel ein gut gehütetes Geheimnis bleibt.
Wenn im Kleinen Haus der Dresdner Neustadt «atomENGEL» aus dem Dunkel treten, dann keine, die wie Seraphim ihre Schwingen schamhaft über ihre Blößen decken. In der Hocke hoppelnd, haben die Kreaturen von Nora Schott und Ariane Thalheim eher etwas Kafkaeskes, denn wenn eine von ihnen auf den Rücken fällt, denkt man an seinen «Käfer».
Die Stücke der beiden sind schon immer etwas spezieller gewesen, auch das jüngste Opus macht da keine Ausnahme. Die Haare punkhaft hochtoupiert, das Fell gleichsam übers Kostüm gezogen, ähneln die vier Gestalten anfangs grotesken Riesenraupen, die sich irgendwann tatsächlich häuten. «Jedes Teilchen ein Zelt», heißt es zwischendurch, und: «Die Augen schlafen weit ...
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