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Die schwarze Wand ist dicht mit Kreidezeichen bedeckt. Sätze, Gedichtzeilen, Beschreibungen, kleine Piktogramme, vertikal, horizontal.
Doch hier, am schicken Dawes Point in Sydney, mit Blick auf die Walsh Bay, die nicht so berühmte Seite der Stadt ohne das Opernhaus, breiten sich keine Traumpfade der Aborigines aus, hier hat ein aus London immigrierter Katalane für seine jüngste Uraufführung malen und dichten lassen: Wir sitzen in Rafael Bonachelas Büro bei der Sydney Dance Company und blicken auf den geistigen Hintergrund von «LANDforms», der zweiten Hälfte des frisch aus der Taufe gehobenen Abends «Shared Frequencies», für dessen erste Hälfte der Ensembleleiter sich Jacopo Godani eingeladen hatte.
Während der Italiener mit «Raw Models» zur Musik des deutschen Elektropop-Duos 48nord seiner William-Forsythe-Verehrung frönt und rasiermesserscharfe Solipsisten in transparenten Ganzkörperanzügen im Kampf mit sich selbst einander verknoten lässt, übt sich der 39-jährige Bonachela in lauernder Weichheit und sportiver Geschmeidigkeit. Sein viertes Werk für Australiens wichtigste zeitgenössische Tanztruppe und sein drittes als deren künstlerischer Direktor versteht er als eine Fortführung ...
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Tanz Mai 2011
Rubrik: produktionen, Seite 8
von Matthias Siehler
...auf der Bühne ist immer ein bisschen kleiner als in Wirklichkeit. Menschen dagegen bleiben auf dem Theater stets von gleicher Größe. Weil Alice im Wunderland schrumpfte, aus einem Fläschchen trank und daraufhin so schrecklich wuchs, dass sie zu groß für so ein Haus wurde, greift jedes Theater zum gleichen Trick: Es macht das Haus ein wenig kleiner, damit Alice...
«Heimspiel» heißt der nicht mehr ganz so neue Schrei an den deutschen Stadttheatern. Er könnte zu einem Genre werden, allein weil die Kulturstiftung des Bundes ihren Fördertopf so etikettierte. Seit 2006 hat der Topf immerhin 56 Unternehmungen von 38 Stadt- und Staatstheatern unterstützt mit Summen zwischen 25.000 und 50.000 Euro; die letzte Runde wird nun...
Alexander Pinto, eines Ihrer Themen als gelernter Soziologe lautet «Verortung». Was verstehen Sie darunter?
Die hohe Mobilität unserer Gesellschaft verändert die Lokalisierungsstrategien der Menschen. Ein Mensch, das gilt nicht mehr. Mich interessiert das Phänomen der Multilokalität, also das Arbeiten und Leben an mehreren Orten. Für viele, vor allem freie Tanz-...
