Nein Sager
Wir befinden uns in der Aufwärmphase. Der Barmann packt die Gläser aus, der Koch rührt im großen Topf. Die Darsteller und ihr Team wuseln durch die Gegend. Die Zuschauer-Gäste stehen rum in der großen Kampnagel-Halle, in deren Mitte eine imposante Kartonmauer ansteigt. Zu beiden Seiten fallen Sitzreihen ab in zwei Spielflächen: kahl und hell die eine, exotisch-geheimnisvoll die andere. Wie einst die chinesische Mauer feindliche Übergriffe abwehren sollte, hält auch diese Mauer die Tradition, den Feind der Modernisierung seit dem Boxeraufstand in der Mitte des 19.
Jahrhunderts, auf Distanz. «Helfen Sie uns», sagt einer der Darsteller, der in regelmäßigen Abständen vor ein Mikrofon tritt, um «den Plan zu erfüllen». Es herrscht eine entspannte Atmosphäre wie früher in den Wohnzimmer-Landschaften von Showcase Beat Le Mot, doch diesmal ist auch die Atmosphäre genau berechnet im großen Plan. Im Fünf-Minuten-Takt erfolgen Ansagen – «Die Suppe ist fertig» –, und nach exakt zwanzig Minuten beginnt auf der kühlen weißen Bühne die heiße Phase des Abends. Die vier Darsteller in der blauen Einheitskluft des Arbeiter- und Bauernstaats verbinden Exerzierschritte und Akklamationen, Arbeitsgriffe ...
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Mit 72 hat Hans van Manen zurückgefunden zum Niederländischen Nationalballett, dem er schon von 1973 bis 1987 angehörte. Im jüngsten Programm der Kompanie, das ohne Anmaßung «Master Moves» überschrieben ist, nimmt van Manens neue Choreografie – zwischen Balanchines «Sinfonie In C» und Forsythes «The Second Detail»– die zentrale Stelle ein. «Frank Bridge Variations»...
Sie sind drei Tage lang gelaufen. Vierzig Männer und Frauen. Mit dem Bus gefahren. Auf einem Laster durch den Dschungel geschaukelt. Haben mit Booten Flüsse überwunden. Ein kleines Flugzeug flog je drei Personen samt Gepäck über die Berge, Fuhre für Fuhre, um sie immer weiter nach Süden zu bringen. Es war die erste große Reise der Xavantes-Indios aus dem Mato...
Viele Ballette des 19. Jahrhunderts fielen in den tiefen Brunnen der Vergangenheit. Obwohl man gern wüsste, wie Marius Petipas zweites Ballett für das St. Petersburger Mariinsky, die 1862 auf eine possierliche Tschingbum-Musik von Cesare Pugni entstandene Tochter des Pharao ausgesehen hat. Dieses vier Stunden lange Ägypten-Ding, ästhetischer Nachklapp auf...
