Spiel macht Mobil

Tanzinstallationen versprechen eine neue Erlebniswelt abseits der Bühnen. Hier trifft man auf die Besten der Zunft: William Forsythe, Sidi Larbi Cherkaoui und, post mortem, Merce Cunningham. Sie alle stellen den alten Zuschauer als neuen Mitspieler in den Mittelpunkt

Tanz - Logo

«Zuschauer, welch ein obszönes Wort!», rief Augusto Boal, der verstorbene brasilianische Verfechter eines partizipativen, politischen Theaters. Sein Theater des Eingreifens sollte sozial benachteiligte Schichten beim Sprengen ihrer Fesseln unterstützen. Andernorts stößt man auf Begriffe wie «spect-acteur» oder auf einen «Theaktor».

Der agierende Zuschauer – ein Widerspruch in sich? Aber möchte man wirklich für immer ein rezipierendes Publikum mit verschränkten Armen sein? Wie lange wird man sich noch still verhalten wollen vor der Bühne? Dem Kino geht es bereits an den Kragen, Videospiele laufen ihm den Rang ab. Sich im Radio von einem DJ ein Musikprogramm aufzwingen zu lassen, das ist im Zeitalter von lastfm und ähnlichen Internet-Radios, die nach dem eigenen Musikgeschmack gehen, schon heute ein Anachronismus. Entsprechend schwerer wird es, die Hierarchie zwischen Bühne und Theatersaal zu akzeptieren.

Denn in interaktiven Installationen darf der Mensch einfach Mensch sein, darf hüpfen, hangeln oder mit virtuellen Figuren in Dialog treten. Schuld sind die neuen Medien und die bildende Kunst. Sie spielen mit dem Körper. Deren Installationen haben gegenüber Theater, Oper oder ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz März 2010
Rubrik: Ideen, Seite 62
von Thomas Hahn

Vergriffen
Weitere Beiträge
Früher...

tanzten wir Tänze von früher. Heute auch. Stirbt eine Choreografin wie Pina Bausch, ein Meister wie Merce Cunningham, ist der Erhalt des «immateriellen» Erbes erste Tänzerpflicht und wird zur Daseinsberechtigung von Kompanie­mitgliedern und Ballettmeistern. Schulen sollen erhalten, Gastspiele fortgesetzt werden. Das Vergangene, das weitergereicht werden soll, wird...

Aufbruch

Diese Küche ist ein perfekter ­Ort für konspirative Zusammen­künfte. In einer WG im Frankfurter Bahnhofsviertel sind die Wände dunkelgrün, die Wasserleitung gluckert, irgendwo hängt ein Hirsch. Hier wohnen Antony Rizzi und Norbert Pape, zwei Tänzer zweier Generationen. Rizzi tanzte jahrelang im Ballett Frankfurt, heute ist er freischaffend. Pape studierte Tanz an...

Tanzträume

Jugendliche tanzen «Kontakthof» von Pina Bausch. Dieser Dokumentarfilm von Anne Linsel und Rainer Hoffmann kommt ins Kino, weil jeder (außer ein paar Jugendliche in diesem Film) die große Pina Bausch kennt, weil es ein Wiedersehen ist mit der freundlichen, unprätentiösen, kettenrauchenden, im Juni letzten Jahres verstorbenen Pina Bausch, weil – wie schon bei...