Cocoondance «Momentum»

Tanz - Logo

Sobald die drei Männer ihre Stimme finden und brüllen, hört das Stück auf. Noch vor der Sprache, der Philosophie, der Politik. «Momentum» von CocoonDance, dem Bonner Ensemble der Choreografin Rafaële Giovanola (s. Seite 61) und des Dramaturgen Rainald -Endraß, ist verkörperte  Physik, im Sinn von «Impuls» oder «Schwung». Gerade so bohrt es sich auch mit dem Tanz in den «Moment», den rohen Augenblick hinein.

Schauplatz ist eine Art Höhle, die auch das Publikum umfängt: Man steht überall und horcht in den Berg hinein, in dem es pocht.

Franco Mento lässt den elektronischen Sound auf- und abschwellen, dicker und dünner werden, doch nie pausieren. Die Zuschauer ergeben sich ihm schließlich mit wippenden Köpfen. Bei den Tänzern dauert es eine Weile.Erst liegen sie, wie hingeworfen. Etwas ruckt in ihrem Inneren, wölbt, spannt, treibt sie allmählich an. Sie krabbeln, krauchen, lauern, immer dicht am Boden, scheinbar blind, mit umwickelten Köpfen, anonym. Sie gewinnen langsam an Höhe, tauchen auf und geschmeidig schnell wieder ab, rollen, purzeln. Fassen einander an Händen und Nacken, schieben, ziehen, lüpfen, hüpfen: scheinbar archaische Tänze, die auch heutigen Sportjubelritualen ähneln. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz März 2018
Rubrik: Tanzplattform, Seite 16
von Melanie Such

Weitere Beiträge
Petipa rekonstruieren

Alexei Ratmansky, wann sind Sie dem Werk von Marius Petipa zum ersten Mal begegnet? 
In der Ballettschule. Marius Petipas Choreografien sind wichtiger Bestandteil der Ausbildung in Russland und im Repertoire aller Theaterhäuser.

Was haben Ihnen diese Ballette als Kind gesagt? 
Ich habe nicht groß darüber nachgedacht. Das war einfach das klassische Repertoire. 

Welc...

Freie Szene Nürnberg

«Zwischen Frankfurt und München ist Diaspora, da steigt kein Kritiker aus dem Zug»: Gegen dieses Image in Sachen Tanz kämpfen Michael Bader von der Nürnberger Tafelhalle, seit 1987 Heimstatt der freien Szene, und mit ihm ein knappes Dutzend Choreografen seit vielen Jahren an. Dabei ist die freie Tanztheaterszene für die 500 000 Einwohner zählende ehemalige...

Berlin: «Die letzte Station»

Weihnachten 2017. Im Berliner Ensemble steht eine Krippe und viel Tannenbaum, ein Wald, in dem die Wichtel wohnen. Sie werden dargestellt vom Ensemble Dance On, einer ausgewachsenen Truppe, die, erst 2015 gegründet, schon jetzt ihre Werkschau zeigt. Aber nicht hier auf der altehrwürdigen Berliner Sprechbühne, wo die Auftragsarbeit des aktuellen Hype-Regisseurs...