träumt mal!
Frank Castorfs Vertrag läuft 2016 aus. Danach wäre eine großartige Ära vorüber, die das Lebensgefühl der Wende und Nachwende an der Berliner Volksbühne abgebildet hat wie an keinem anderen Haus. Und nun? In anderthalb Jahren könnte man alles wieder auf Normalnull runterpegeln.
Dabei wurde doch an der Volksbühne schon immer wild gedacht, über das Theater, mit dem Theater, über dessen Sinn und Zweck, mit René Pollesch, Christoph Marthaler, Herbert Fritsch und Frank Castorf selbst, mit Matthias Lilienthal, Aenne Quiñones und Carl Hegemann als Dramaturgen, mit Bert Neumann, Katrin Brack und Penelope Wehrli als Bühnenbildner, mit Johann Kresnik und Meg Stuart als Choreografen, mit Performern wie Christoph Schlingensief, Gob Squad, Forced Entertainment, Signa, dem Gespann Vinge, Müller, Trondtheim. Und hunderten anderen mehr. Sie haben den Geist ihres Publikums mitgeprägt – politisch, streitbar, kritisch. 2016 wird in den Nachrufen noch endlos viel davon zu lesen sein. So viel, dass sich die Hauptstadt der unangepassten Deutschen wünschen wird, alles möchte doch bleiben, wie es ist.
Die Weichen dafür könnte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit tatsächlich stellen, indem er noch ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Dezember 2014
Rubrik: ideen: tanz und politik, Seite 64
von Arnd Wesemann
Tanz, Performance und der Körper gehören nun im zweiten Jahr zum Lehrprogramm der École nationale supérieure des beaux-arts in Lyon. Die Verantwortung für den Bereich liegt in den Händen von Jennifer Lacey, die das entsprechende Seminar selbst anbietet. Doch warum sollen Kunststudenten tanzen? Vielleicht weil es die einfachste, direkteste und wohl auch...
Das Ballett beginnt Schwarz in Schwarz. In einem düsteren Salon versammeln sich die Gäste und trauern um Anna Karenina. Das mag der geneigte Ballett-Geher raten oder nicht. Wissen wird er es zum Schluss: wenn sich dieselbe Gesellschaft um die Tote versammelt. Der Anfang ist einer der wenigen Eingriffe Christian Spucks in die chronologische Abfolge der Ereignisse...
Ein schöner Anfang ziert alles, und der ist Sasha Waltz auf denkbar einfache Weise gelungen. Nur eine quadratische Holzwand ist zunächst zu erkennen, geeignet für alle Örtlichkeiten, auf denen der «Orfeo» künftig als Koproduktion noch zu sehen ist. Langsam klappt die Wand um, wird zur selben Zeit zum Podest wie zum Portal, und gleich einer Lichtgestalt erscheint...
