essen: Denis Untila & Michelle Yamamoto: «Othello»

Tanz - Logo

Er ist dunkelhäutiger, älter, mächtiger, einfach anders als der Rest – doch was ihn zum Helden macht, macht ihn auch zum Narren. Das Fremdsein ist Distinktion und Verhängnis zugleich, so ist es schon bei William Shakespeare. Seit Peter Zadek einst seinen übergewichtigen Schauspieler Ulrich Wildgruber in einen Schuhcreme-Mohren verwandelte, wird «Othello» regelmäßig als Rassismus-Drama erzählt.

Während das Sprechtheater Gefühle politisiert, zelebriert der Tanz nun in Essen einmal mehr: ein Seelenbeben.

In einer internationalen Kompanie wie dem Aalto Ballett Theater, so Denis Untila im Programmheft, könne man die Hautfarbe schwer zum Problem einer einzelnen Figur machen. Schließlich seien sie ja alle Exoten. Nun ja.

Nonkonformität heute sieht also anders aus, sie hat nichts mit geriatrischer Libido, ethnischer Zugehörigkeit  oder sozialem Status zu tun. Unangepasst ist schlicht derjenige, der liebt. Das jedenfalls gibt der «Othello» zu verstehen, den das Choreografen- und Ehepaar Denis Untila und Michelle Yamamoto in Szene setzt: ein fühlend Herz inmitten schicker Stahl-Coolness, die Bühnenbildner Dmitrij Simkin als Mix aus Science-Fiction-Enklave, Keller-Club und Brückenkonstruktion ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz April 2013
Rubrik: kalender und kritik, Seite 38
von Nicole Strecker

Weitere Beiträge
stell dir vor

du bist ein Tänzer aus Mali. Die Vorurteile liegen auf der Hand. Du hast diese «besondere» Hautfarbe und eine für europäische Tänzerverhältnisse zu sportliche Physiognomie. Nun aber haben es alle aus den Nachrichten erfahren. Bei dir zu Hause herrscht Krieg. Jeder fragt dich besorgt: Stammst du aus dem Norden oder Süden von Mali? Auf einer zeitgenössischen Bühne...

faile@nycb

«Das New York City Ballet war immer schon stolz darauf, besonders experimentierfreudig und innovativ zu sein», sagt Peter Martins, Leiter der weltberühmten Ballettkompanie im Lincoln Center – natürlich. Denn keine Kunstform hat derart taufrische Aspiranten, keine andere ist aber auch dermaßen «Beauty and the Beast» zugleich, sagt der bildende Künstler Patrick...

passione in due

Eine «Matthäuspassion» ohne Chor, ohne Solisten, ohne Matthäus und überhaupt ohne Gesang? Wie geht das? Bei Emio Greco und Pieter C. Scholten steht Johann Sebastian Bachs Komposition im Dialog mit einem grotesken Tänzer und wird nicht nur auf dem Piano, sondern bisweilen auch auf dem Akkordeon gespielt. Das Choreografen-Duo aus Amsterdam geht der Beziehung zwischen...