krabbler & kribbler

Die Zahl der Choreografen, die echte Pferde, Schlangen, Vögel auf die Bühnen holen, nimmt kontinuierlich zu. Es scheint, das Tier hat Zukunft. Warum denn?

Tanz - Logo

Was würden Tiere uns wohl sagen, wenn sie wüssten, welch schlechtes Image sie haben, ob in geflügelten Worten oder im Blick der Philosophen? Primitiv seien sie, auf Instinkte, Konsum und Überleben fixiert. Selbst der Philosoph Giorgio Agamben meint noch in seinem Essay «Das Offene. Der Mensch und das Tier» von 2003, der Mensch müsse erst das animalische Restrisiko in sich selbst überwinden, um der Menschheit anzugehören.

Auch er denkt also, Regression und unreflektiertere Gewalt im Alltag seien Anzeichen dafür, dass die Menschheit dauernd Gefahr laufe, in den Zustand des Tieres zurückzufallen. Fraglich zwar, ob Tiere wirklich regressiv und unreflektiert gewalttätig sind, aber wie will die Menschheit überleben, fragt Agamben, wenn wir als Zoon politikon, als tatsächlich politisches Tier, uns nur noch durch einen Körper mit einem entpolitisierten Geist begreifen? Dann näherten wir uns doch der hedonistischen Endlösung, der Selbstzerstörung. 

 

Nun kann man fragen: Ist der unpolitische Konsument wirklich auf dem Rückweg ins Reich des Animalischen? Keine andere Tierart als unsere hat es in der Hand, Zivilisationen zu vernichten, geschweige denn, die entsprechenden Pläne dazu zu ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Oktober 2010
Rubrik: ideen, Seite 64
von Thomas Hahn

Vergriffen
Weitere Beiträge
die lehrerin: Sabine Sonnenschein

Sie bieten Workshops an, die Kontaktimprovisation und Tantra verbinden. Wie kam das zustande?
Ich bin seit vielen Jahren Tänzerin und Performerin und praktiziere auch Kontaktimprovisation. Nachdem ich einige Zeit pausiert hatte, machte ich eine besondere Erfahrung: Ich hatte bei einer Kontaktimprovisations-Jam mit einem Tänzer, der sich in Richtung Körper­therapie...

marlúcia do amaral

Riesige Sonnenbrille, feuerrote Lippen, hautenges, bodenlanges Sommerkleid und hohe Hacken. Wenn Marlúcia do Amaral zur Arbeit geht, wird die Heinrich-Heine-Allee in Düsseldorf zum Laufsteg. Die Brasi­lianerin bewegt sich ganz bewusst so, dass sich mancher Passant nach ihr umsieht. Eine Diva eben.

Wochen später die direkte Begegnung beim Gespräch. Da sitzt im ­Foyer...

reykjavík: keðja

Die nordischen Länder beenden ihre über ganz Skandinavien und das Baltikum organisierte Plattform «keðja» unter dem Vulkan Eyjafjallajökull mit der selbstkritischen Frage, ob man tatsächlich die Rolle des Tanzes in den Kommunen seit dem ersten Treffen 2008 hat nachhaltig stärken können. Hauptprogramm dieser Gipfeltreffen ist natürlich die Darstellung der Szene vor...