faustin linyekula

Es gibt diese gesellschaftlichen Verpflichtungen, die man als Choreograf aus Kongo nun mal hat, aber kann man dort ohne Politik denn gar nicht tanzen?

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Der unangenehmste Teil eines Schultags war für Faustin Linyekula ­immer die halbe Stunde vor Unterrichtsbeginn, in der sie antreten ­mussten, um Mobutu Sese Seko zu huldigen. Linyekula hasste die Lieder, die er für den korrupten Diktator singen musste. Als Kind schien ihm, er verabscheute schon deshalb den Mann, der den Kongo brutal beherrschte. Auch wenn von Kindesbeinen an etwas falsch lief in seinem Land, stimmte Linyekula in die staatlich verordneten Lobeshymnen ein. Heute spricht der Choreograf über seine zerrüttete Heimat. Denn Kunst und Trauma liegen hier sehr nah beieinander.



Seine großen Augen funkeln, und die Stirn des 37-Jährigen legt sich in Falten, als er, fern vom Moloch Kinshasa, in Johannesburg vom bürgerkriegsgeplagten Osten des Landes erzählt, von Korruption, Armut und Gewalt. Linyekula redet viel – bei Publikumsgesprächen, Podiumsdiskussionen und in Interviews. Auch seine Stücke behandeln diese Themen. Er kritisiert und verteidigt seine Heimat, macht sie im Westen bekannt und regt an zu einem differenzierten Blick auf ein Land im Post-Bürgerkriegsvakuum. Nur eins tut er nicht: seine Arbeit bloß in den Dienst der politischen Botschaft zu stellen. Linyekula will ...

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Tanz Dezember 2011
Rubrik: menschen, Seite 22
von Elisabeth Wellershaus

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