Surreale Wucht
«Lawn» = Rasen. Diese Übersetzung ist geläufig. Dass dieser Begriff aber auch einen Zustand benennt, der den Mangel an Sonne und damit den Rückzug von der Realität in unlogische Denkmuster und Illusionen von offenen Räumen beschreibt, das lernen wir in «Lawn» von drei gestandenen Australiern.
Sie haben dieses innere Drama offenbar selbst erlitten, als sie Mitte der 1990er Jahre Meryl Tankards Australian Dance Theatre verließen, um sich den Wind um die Nase wehen zu lassen: Grayson Millwood imponierte als größter «Körper» bei Sasha Waltz, Vincent Crowley tanzte bei Joachim Schlömer, Gavin Webber bei Maguy Marin und Wim Vandekeybus. Als Splintergroup treffen sie sich nun in einem erstaunlich wandlungsfähigen Einzimmerapartment (Bühne: Zoë Atkinson!) «hoch über den schneebedeckten Straßen Berlins».
Grayson Millwood ist Hauptmieter. Er mixt sich am Tisch sein Müsli. Und während sich seine Gedanken, Visionen, Träume und Ängste unter der Haut materialisieren und so manchen unbequemen Untermieter aus seinen Kindertagen zutage fördern, krabbeln acht, nein, zehn Kakerlaken über Gesicht und Hände. Oh Graus! Flugs sucht das Ungeziefer die Dunkelheit hinter den Kulissen in den sophiensælen. ...
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