Räume malen
Stille. Zwölf Tänzer strömen ins Bild, verteilen sich in einem großflächigen, mit blauem Klebeband markierten Quadrat. Dann: Die Tonspur stürmt los, die Interpreten auch. Es beginnt ein endloses Bewegen, man eilt, dreht sich, immer verankert; gestreckte Arme sind Hebel, Körper sind Massen; mit einem Griff werden auf dem Bauch gestrandete Tänzer auf den Rücken gedreht. Aufstehen, rennen, bewegungstüchtig bleiben.
Auf den ersten Blick ist Gilles Jobins «Double Deux» eine Rückkehr ins Abstrakte.
Das in Annecy uraufgeführte Stück des Westschweizer Choreografen kontrastiert mit seinem letztjährigen «Steak House», wo Plastikeimer und Bücher durch die Luft flogen, Jobin einen Umzug samt Teppich von einer Bühnenecke in die andere inszenierte. «Double Deux» knüpft an frühere Werke an, frönt der Leere, dem Licht, den Kleidern, einer Malerei im Raum. So sieht man anfangs nur organische Masse. Bewegungsmotive erwachen und verschwinden.
Jobins Malen im Raum erinnert an die Gruppe Supports/Surfaces, die Ende der 1960er die Malerei in ihre Elemente zerlegt und sie von Perspektive und Emotion befreit. Bleibt das Spiel zwischen (Kunst-)Träger und Oberfläche, bleiben Regeln, Mittel, Farben und ihre ...
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Sylvie Guillem, Sie haben sich beim Publikum mit einem herzlichen, fast erstaunten Lächeln bedankt. Überrascht Sie der Zuspruch, den ein zeitgenössischer Abend findet? Die Reaktion des Publikums berührt mich immer. Wenn ich auf die Bühne gehe, möchte ich dem Publikum etwas geben: eine Vision, einen einzigartigen Moment. Die Reaktion darauf zu erleben, ist für mich...
Das Wasser reicht Esteban bis zum Hals, alles um ihn herum ist Welle. Sonnenlicht bricht sich im Wasser, dessen sanfte Strömungen seinen Körper wie in einem Tanz mitreißen. Langsam durchdringt es seinen Körper, beraubt ihn seiner Konturen. Alle Bewegungen verschwimmen. Jedes einzelne Molekül gehorcht einer Musik aus Myriaden von Klängen. Seine Körperteile rasen,...
Unfreiwillig ist Vacant fast zu einem Epitaph auf György Ligeti geworden, der am 12. Juni das Zeitliche gesegnet hat. Seine Musik sei so vollkommen, hat Saburo Teshigawara nach der Uraufführung in Genf verlauten lassen, sie brauche keine physische Aktion mehr – und wagte dennoch ein Stück, das das schier Unmögliche möglich macht: den Körper völlig vakant, gänzlich...
