Out of context – for Pina
Acht Tänzer treten im Alltagskostüm auf die Bühne, entkleiden sich, als würde gleich ihre Yogaklasse beginnen. Halb nackt schmusen sie sich in rosafarbene Wolldecken, die sie von einem sauber aufgeschichteten Stapel nehmen. Geigensaiten kratzen Grunzgeräusche, Blicke treffen sich und erzeugen Paarbildungen. Man beschnuppert sich auf leerer Bühne wie erste Menschen und scharrt mit den Hufen. Zwei Damen entblößen sich zuerst, die Herren folgen, einer krächzt in eins der beiden Mikrofone ein «Laissez-moi», andere schlagen ihre rosafarbenen Linus-Decken auf den Boden.
Ein Ritual müsse so beginnen, man greift sich gestisch ins Gesicht, geht breit in Karatestellung, sinkt synchron zu Boden, zuckt dabei, wie es die Lehrbücher der Hysterie vorschreiben, die der Genter Choreograf Alain Platel so gern liest. Prompt verfällt man parallel choreografiert in Trance, streckt zum Beweis die Zunge heraus, die Münder blöken stumm, die Augenlider werden auseinandergezogen, die Glieder dehnen sich zu Pianomusik. Figuren der klassischen Psychiatrie tauchen auf wie Birdie, der Junge, der glaubte, ein Vogel zu sein, und Stunden auf der Querstange seines Eisenbetts ausharrte, als wäre Platel noch immer ...
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