zürich: McGregor, Spuck, Goecke: «Notations»
Anders als sein Vorgänger gibt Christian Spuck in Zürich nicht den einsamen Solitär, sondern sucht als Ballettdirektor den Schulterschluss mit der freien Szene: Die drei Uraufführungen eröffneten gleichzeitig das gesamtschweizerische Tanzfestival «steps». Das Ballett Zürich indes entwickelt sich zu einer Art Stuttgart 2.0, mit ganz ähnlich zusammengestellten Abenden, oft von Spucks früheren Stuttgarter Choreografen-Kollegen bestückt.
Erstaunliches vollzieht sich in «Kairos», denn der intellektuelle Bewegungsextremist Wayne McGregor findet zurück zur Klassik, von der er nie herkam.
Der endlose, kaum akzentuierte Bewegungsfluss seiner letzten Stücke verdichtet sich hier zu raffinierter, oft rasanter Dynamik, die früher vereinzelten Tänzer ordnen sich in Linien und Strukturen – es erinnert manchmal fast an Heinz Spoerli. Zwischen Stroboskopblitzen und Resten seines coolen, distanzierten Idioms entdeckt der Choreograf die Reinheit des akademischen Vokabulars und wirkt fast verblüfft darüber. Wie so oft spiegelt der Tanz bei McGregor eine musikalische und bühnenbildnerische Versuchsanordnung wider: Der deutsch-britische Komponist Max Richter überführt Antonio Vivaldis «Vier ...
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Tanz Juni 2014
Rubrik: kalender und kritik, Seite 50
von Angela Reinhardt
Am Jahresanfang war das Zentenar in aller Munde. Kein Feuilleton, keine Nachrichtensendung, kein historischer Blog kam ohne schwergewichtigen Essay über den Ersten Weltkrieg aus. Vom Buchmarkt her erschütterte gar ein mittelschweres Beben die Leselandschaft: Haben wirklich die Deutschen das Katastrophenszenario angezettelt, wie es Fritz Fischers epochale Schrift...
Auch als Volker Eisenach 2006 bei «wilder wein», einem Projekt für Jungen, Musik von Rammstein einsetzte, ging es um Gefühle zwischen Liebe und Hass. Radikaler freilich wallen die Emotionen bei ihren professionellen Kollegen in Schwerin. Denen hat Ballettchef Sergej Gordienko ein Rockballett auf den in knappe Lederkluft gezwängten Tänzerleib maßgeschneidert....
berlin_________
foreign affairs
Da hat Festivalleiter Matthias von Hartz einen Coup gelandet: Mit der Deutschlandpremiere von Hofesh Shechters grandiosem «Sun» (tanz 12/13) bestückt er seine Berliner «Foreign Affairs». Ansonsten setzt Hartz vor allem auf einen Namen, hinter den sich alle anderen einreihen müssen: Boris Charmatz steht im Fokus und wird am...
