carmen
Ständig angefeuert, jetzt urplötzlich brutal zurückgepfiffen: So kritisch, so feindselig hatte Dada Masilo sich das Echo auf ihr zweites Turbo-Ballett nicht vorgestellt. Allerdings geht es um «Carmen», und was soll dieser heißblütige Stoff anderes auslösen als einen Orkan der Leidenschaft? Zuletzt hatte es für Masilos «Swan Lake»-Version Jubelstürme gegeben, mit dem Effekt, dass sich das Lob kaum noch steigern ließ. Also musste nun ein gegenteiliger Theaterdonner her, so sind nun mal die Gesetze der Medienwelt.
Bei der «Carmen»-Uraufführung im Maison de la Danse von Lyon zeigte sich das zahlende Publikum zwar begeistert, aber Frankreichs Kritiker blieben am Sitz kleben und veranstalteten in ihren Artikeln danach ein regelrechtes Dada-Bashing. Die Einwände lauteten: zu simpel gestrickt, ein gefährliches Spiel mit Flamenco-Klischees, nichts als Muskelprotzerei! Man stieß sich auch an der angeblich zu plakativen Vergewaltigung Carmens durch Don José am Ende und fand das ganze Spektakel überhaupt zu kommerziell. Die Damen und Herren der schreibenden Zunft taten gerade so, als fielen sie aus allen Wolken und mitten in tiefe Gräben hinein, die sich zwischen Masilos «Swan Lake» und ihrer ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz November 2014
Rubrik: produktionen, Seite 8
von Thomas Hahn
Rundherum klopft und zupft der Sound von Tamer Fahri Özgönenc, während wir Zuschauenden uns akklimatisieren und im unbestuhlten Theatersaal arrangieren: ziellos flanieren, einander flüchtig oder eingehend mustern, uns auf den Boden setzen, uns gegenseitig erfassen und anpassen an jeweilige Gehrichtungen und -tempi. Eine Gemeinschaft auf Zeit, ein zufälliges...
Kuratoren, Galeristen, Kunstprofessoren winken routiniert ab, sobald jemand mit der Frage aufschlägt: Wo bitte geht‘s zur Avantgarde? Selbst Originalität gilt heute als problematisches Unterfangen, war doch … alles schon mal da. Tanzkreative hören über ihr eigenes Schaffen denn auch häufig nichts lieber als: «Das sieht nach Billy aus.» Was so viel bedeutet wie: Du...
Ein Mann im Umbruch: Benjamin Millepied schlüpft Stück für Stück in seine neue Rolle als Directeur de la danse am Pariser Opernballett, wo er den Staffelstab von Brigitte Lefèvre übernimmt, die ihn zwei Jahrzehnte trug. Ende September stellte er auf der «Biennale de la danse» in Lyon «Hearts and Heroes» vor, die bis auf Weiteres letzte Kreation für sein vor zwei...
