Parkett International: Italien
Im stillen Teich, und das ist die italienische Tanzlandschaft, war der einzige Stein, der das Wasser kurz in Wallung brachte, die Vergabe des «Goldenen Löwen» auf der Biennale von Venedig für die Lebensleistung des 43-jährigen Choreografen Alessandro Sciarroni. Der Italiener darf sich somit einreihen in die illustre Liste von Preisträgern, auf der Merce Cunningham und Pina Bausch, William Forsythe und Jiří Kylián, Steve Paxton und De Keersmaeker zu finden sind. Die Entscheidung der Direktorin der Tanzsektion, der Kanadierin Marie Chouinard, überraschte.
Sciarroni wurde nicht geehrt für sein herausragendes Können, sondern für seine künstlerische Handschrift – die sich wohl erst noch entwickeln muss. Auch wenn er von einem Teil der Tanzkritik als innovativ anerkannt ist, gilt er bei der Mehrheit als Recycler altbekannter Bewegungscodes – ohne jeden Innovationstrieb.
Sciarroni ist kein Forscher, der den neuen Tanz befördert. Er ist ein Akademiker der Postmoderne, der die archetypischen Konzepte der Judson-Church-Bewegung abruft und wiederholt, anstatt sie für die Gegenwart weiterzuentwickeln. Zudem trifft die Ehrung einen, der ohne jegliche Tanztechnik-Ausbildung daherkommt. Stolz ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Jahrbuch 2019
Rubrik: Parkett International, Seite 146
von
Manche Werke sind uns heilig. Sie entzünden die Fantasie, verzaubern das Publikum seit Generationen. So verhält es sich mit «Giselle», von Théophile Gautier zu Papier gebracht, 1842 uraufgeführt. Gautier, ein Pariser Luxus-Dandy und rauschmittelseliger Bonvivant, zählte nicht nur zu den produktivsten Ballettlibrettisten des 19. Jahrhunderts. Vielmehr beschrieb er...
Tattoos erzählen eine Geschichte, zeigen ein Gefühl oder sind kodierte Botschaft – eine Einschreibung mit magischen Kräften. In unserer selbstbezogenen Gesellschaft ist das Tattoo vielleicht die Vollendung des Fetischs: «o feitiço», der Zauber, ist mit dem eigenen Körper vereint, gehört zur Identität seines Trägers.
Tattoos auf Tänzerkörpern zu zeigen, ist die...
Ich kaue Kaugummi, was ich sonst nie tue. Danach spucke ich das direkt aus, weil ich das nicht mag! Ich sitze immer hinter der Bühne bei der Premiere. Gustav ist dann auch dabei, schläft aber oft. Oft drücke ich auch meine Daumen. Früher hatte ich noch andere Glücksbringer dabei, an die habe ich aber irgendwann nicht mehr geglaubt. Die Sonnenbrille habe ich auch...
