Nina Corti in Potsdam

in Potsdam

Tanz - Logo

Daniel Schnyder gibt den Ton an. Er wippt auf dem Stuhl, animiert zwischendurch das Carmina Quartett und spielt gleichzeitig auf seinem Sopransaxophon seine «Aria Vivaldi» so engagiert, als wollte er das Pub­likum mitreißen. Doch das sitzt im Nikolaisaal der Stadt Potsdam bequem in seinen Sesseln, und deshalb ist es dem Leiter der Stuttgarter Crossover Academy vorbehalten, der Schweizer Kollegin den Weg zu ebnen.

Er lässt sein goldenes Horn erschallen, das so gar nichts Saxophonhaftes hat – und aufspringend gibt der schlaksige Mann einen musikalischen Rahmen vor, in dem die gemeinsamen «Metamorphosen» stattfinden können. So jedenfalls nennt Nina Corti ihr neuestes Programm, das sich vielfältig verwandelt. Denn so wie sich Schnyder die «Griselda» von Antonio Vivaldi zu eigen macht, übersetzt sie seine Klang– in ihre Körpersprache: eine Transformation, die keinen Augenblick lang die «Arie» als choreografisches Karaoke missbraucht. Einen Vivaldi tritt man nicht mit Füßen.
Noch nie hat sich Nina Corti auf einen Flamenco puro versteift. Längst sind ihre lässigen Auftritte in Jeans legendär – und unvergessen all die Abende, die sich nicht mit dem Tradierten zufrieden gaben, sondern seine ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Juli 2006
Rubrik: on stage, Seite 39
von Hartmut Regitz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Roleff-King in München – die Ballettakademie wird 50

Roleff-King ist ein Name mit enormem Nimbus in München. Seit fünfzig Jahren. Happy Birthday! Lange vor der Heinz-Bosl-Stiftung, ab Mai 1956, wurden unter den Fittichen von Peter Roleff und Karl-Heinz King Ballettratten ab sechs zu bühnenreifen Tänzern ausgebildet. Die Schule war nach dem Krieg eine der ersten privaten Schulen für Ballett in Deutschland mit dem...

Johannes Wieland

New York ist ein verlassener Fleck Erde. Verlassen von den logischen Prinzipien.
Ein freischaffender Choreograf in New York zu sein, ist eine eingeschränkte Selbstmorderklärung. In einer Stadt mit dieser unheimlichen Choreografendichte und unzähligen erschwerenden Umständen mutiert man selbst täglich zu einer Problembewältigungsmaschine. Einerseits. Andrerseits...

Gefühle von gestern

Die Gnade der späten Geburt kann schnell zu einer Belastung werden. Gerade mal 22 ist Terence Kohler und schon von seiner Direktorin Birgit Keil als Choreograf abendfüllender Ballette auserkoren – in einem Alter also, in dem selbst die Großen des Fachs ihr künstlerisches Potential noch an Petitessen erprobten. Prompt fragen sich Ballettauguren nach der Uraufführung...