Odissi
Während die Sonne langsam über der ostindischen Stadt Bhubaneswar untergeht, knapp 438 Kilometer südwestlich von Kalkutta, zieht es Mädchen und Jungs in Scharen ins hiesige Kulturzentrum. Wenn sie die Halle betreten, lassen sie den Lärm und Tumult auf den Straßen in einem der ärmsten Bundesstaaten Indiens hinter sich. Hier drinnen begeistert sie der Odissi, der klassische Tanz, der aus den Tempeln von Kalinga stammt.
Sie entfliehen dem hektischen Gewirr von Kühen und Elefanten, Affen mit stierem Blick, Autos und Rikschas, die, begleitet von einem gewaltig hupenden Orchester, den Verkehr bilden – das tägliche Chaos auf den Straßen.
Die Mädchen haben sich in bunte Saris geworfen. Viele fiebern der Aufführung richtig entgegen, andere schicken noch eine SMS an ihre Freundinnen. Dann sind alle Augen auf ein Mädchen gerichtet. Sieben Jahre alt. In ihrem plissierten Sari aus roter Seide ähnelt sie fast einer reglosen Marionette. Langsam beginnt ihre elektrisierende Darbietung des klassischen Odissi-Tanzes. Immer wieder ist er variantenreich unterbrochen von Posen, die anmutige Übergänge markieren. Ihre Beine vollziehen Drehungen, ihre Hände scheinen Figuren im Sand nachzuzeichnen.
Aber ...
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