blut, schweiß und ruhm
Der Vorhang öffnet sich, schwarz gähnt die Bühne des Palais Garnier, bis irgendwo in der Tiefe des Raums ein goldener Schimmer aufflackert und über stuckierte Wände irrlichtert. Kaum hat sich das Auge an die emporzüngelnden Mauer-Flämmchen gewöhnt, tauchen aus dem Nichts kleine Füße auf, sorgsam auswärts gerichtet. Ein paar Schritte, dann zeichnen sich darüber Unterschenkel, Knie, Beine, Hüften, Bauch, Schultern, Arme und Köpfe ab – kindlich noch und doch schon ins Ätherische entrückt.
Divi-sion um Division rücken sie gegen die Rampe vor, Mädchen und Jungen, 10- bis 18-Jährige, in Marschformation gegliedert. Rechts und links vom Meridian der Bühne beziehen sie Stellung und harren derjenigen, die als Letzte aus dem blattgoldveredelten Serail des «Foyer de la danse» nach vorne streben, vom Publikum enthusiastisch beklatscht: jene Étoiles genannten Star-Solisten, die an der Pariser Oper nicht nur das Corps de ballet anführen, sondern sich regelmäßig mit den Schülern der École de danse zum «Défilé» vereinen, um die Tradition ihrer Kunst genauso wie die Macht der eigenen Institution erstrahlen zu lassen.
Der Sonnenkönig und sein Komponist
Ein Spektakel, so recht nach dem Geschmack ...
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Tanz April 2013
Rubrik: praxis, Seite 68
von Dorion Weickmann
Immer wieder dieser Satz: «Man muss Kunst und Politik trennen.» Omar Rajeh wird nicht müde, ihn zu wiederholen. «Ich vermeide es, über Politisches zu reden», sagt er und meint damit auch die explosive Lage in seiner Heimat, dem Libanon. Zu sensibel, zu kompliziert findet das ein Künstler, der sich in seinen Produktionen oft mit politischen Themen beschäftigt. Der...
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