blut, schweiß und ruhm

Die École de danse der Pariser Oper ist das Modell für alle Tanzakademien: Vor 300 Jahren gegründet, hat die Kaderschmiede ein ebenso eisernes wie elitäres Regime errichtet und ist damit bis heute erfolgreich

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Der Vorhang öffnet sich, schwarz gähnt die Bühne des Palais Garnier, bis irgendwo in der Tiefe des Raums ein goldener Schimmer aufflackert und über stuckierte Wände irrlichtert. Kaum hat sich das Auge an die emporzüngelnden Mauer-Flämmchen gewöhnt, tauchen aus dem Nichts kleine Füße auf, sorgsam auswärts gerichtet. Ein paar Schritte, dann zeichnen sich darüber Unterschenkel, Knie, Beine, Hüften, Bauch, Schultern, Arme und Köpfe ab – kindlich noch und doch schon ins Ätherische entrückt.

Divi-sion um Division rücken sie gegen die Rampe vor, Mädchen und Jungen, 10- bis 18-Jährige, in Marschformation gegliedert. Rechts und links vom Meridian der Bühne beziehen sie Stellung und harren derjenigen, die als Letzte aus dem blattgoldveredelten Serail des «Foyer de la danse» nach vorne streben, vom Publikum enthusiastisch beklatscht: jene Étoiles genannten Star-Solisten, die an der Pariser Oper nicht nur das Corps de ballet anführen, sondern sich regelmäßig mit den Schülern der École de danse zum «Défilé» vereinen, um die Tradition ihrer Kunst genauso wie die Macht der eigenen Institution erstrahlen zu lassen.


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Tanz April 2013
Rubrik: praxis, Seite 68
von Dorion Weickmann

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