Zwischenruf
Sagen wir es spornstreichs, unverblümt und rundheraus: Seitdem die #MeToo-Debatte Fahrt aufgenommen hat, sieht es in der besten aller Welten für uns nicht mehr gut aus. Für uns: die «Herren der Schöpfung». Vor Urzeiten heldisch verehrt, sieht sich die Gattung Mann inzwischen in toto destabilisiert, domestiziert, desillusioniert. Besonders schlimm ist es abends, in der Oper. Oben, auf der Bühne, knabbern sie wie wild aneinander herum, aber wehe, einer von uns käme auf die Idee, das selbst auch mal zu probieren, beim Pausensekt oder so, also im wahren Leben.
Kannst du vergessen, gibt stante pede eine Anklage wegen sexueller Belästigung. Oder gleich richtige Haue. Nicht mal gucken ist mehr erlaubt. Könnte ja zu tief reichen, der Blick.
Es ist wirklich zum Haareausreißen. Aber blanke Tatsache: Männer sind nurmehr Schlemihl’sche Schatten ihrer selbst. Erotische Wracks. Eckensteher. Schuld daran ist natürlich Adelbert von Chamisso. Aber nicht wegen der Schlemihl-Story. Sondern wegen seines Gedichtes «Frauenliebe und –leben». Erstaunlich genug, dass Carl Loewe und Robert Schumann diesen Käse auch noch vertont haben. Egal. Jedenfalls wäre es besser gewesen, der Dichter hätte geschwiegen. ...
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Opernwelt September/Oktober 2018
Rubrik: Magazin, Seite 95
von Jürgen Otten
Um halb zehn kommen die Jagdflieger. Zeit für den Mörike-Moment: «Über das Haupt stürzt dir krachend das Himmelsgewölb’». Minutenlang ist das große Festspielhaus zu Salzburg erfüllt vom Dröhnen der Maschinen, vom Geräusch einschlagender Bomben, von undefinierbarem Geschrei. Es ist das pure Grauen des Kriegs, das sich hier, in elektronisch verstärkten Tönen und...
Die am hellsten leuchtenden Sterne, die beim Young Conductors Award der Salzburger Festspiele aufgegangen sind, waren bisher Mirga Gražinytė-Tyla und Lorenzo Viotti. Aber auch die anderen Sieger des seit 2010 mit Unterstützung eines Nahrungsmittelkonzerns durchgeführten Concours, von David Afkham bis Kerem Hasan, können schöne Erfolge vorweisen. Insofern war man...
Es ist schon merkwürdig, dass die größten Wachstumsraten im Bereich der britischen Opernszene auf dem Lande zu verzeichnen sind. Jeden Sommer scheinen abseits der Städte neue Festivals aus dem Boden zu schießen und sich die bereits bestehenden zu vergrößern – ob sie nun alljährlich die Spielzeit verlängern oder das Programm immer ambitionierter aufziehen.
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