Zwischen Mythos und Realität
Ganz New York hat mitgehört. Und mitgezählt. Achtzehn hohe Cs, am nächsten Tag schon als Tondokument auf der Website der «New York Times» anklickbar. Wie Juan Diego Flórez in Donizettis «Fille du Régiment» gleich zweimal hintereinander den Stratosphärenknüller «Ah! Mes amis» zum Besten gab, ist natürlich als Musikzirkusakt Extraklasse, allerdings schon aus Mailand und London bekannt.
Aber eine Sensation? Eine unerwartete Sensation war eher, wie sich zur gleichen Zeit und ausgerechnet an der Met eine gerade mal dreißig Jahre alte Oper, Philip Glass’ «Satyagraha», zum Hit entwickelte. Nicht zuletzt aufgrund der vokalen Leistungen. Wenn auch in der Meditation über Leben und Wirken Mahatma Gandhis keine hohen Cs en suite zu genießen waren, bewältigten doch Solisten und Chor die enormen Raster- und Repetitionsstrecken mit einer Virtuosität, die jenseits von Donizetti neue Vokalrekorde im Durchhaltevermögen in Aussicht stellte.
Allen voran erweckte Richard Croft als Gandhi mit schmiegsamem, sich in der Höhe sanft aufhellendem Tenor so berührend wie beeindruckend eine historische Figur zum Bühnenleben, ohne sich ins verklärende Porträt zu verirren. Bravourös auch, wie Rachelle Durkin als ...
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