Zwischen allen Stühlen
«Eine feinere Operette» wollte Richard Strauss nach eigenem Geständnis mit »Die Liebe der Danae» schaffen, etwas Leichtes, «preziös» Ironisches in der Nachfolge Offenbachs. Bereits 1920 hatte ihm Hugo von Hofmannsthal einen entsprechenden Entwurf vorgelegt, aber da zeigte sich der Komponist noch uninteressiert. Man kann nur spekulieren, wie diese Oper ausgesehen und geklungen hätte, die dem Klima der 20er Jahre so entgegen gekommen wäre.
Als Joseph Gregor 16 Jahre später, zunächst ohne Kenntnis von Hofmannsthals Exposé, mit demselben Sujet an Strauss herantrat, fand er offene Ohren. Freilich galten Gregors Ambitionen «höheren» künstlerischen Zielen, er wollte den «schönen, reinen Grundgedanken, das Gold durch die Liebe zu überwinden» deutlicher herausarbeiten. Was im mühsamen, sich über Jahre hinziehenden Arbeitsprozess herauskam, war ein Kompromiss. Die «Heitere Mythologie», die Strauss schließlich als Gattungsbezeichnung wählte, ist nur mäßig heiter und schon gar nicht satirisch, denn Gregor brachte dafür nicht mehr als den Humor eines Lateinlehrers auf.
Die Musik, die dem alten Komponisten zu diesem etwas mauen Text einfiel, ist auch nicht besonders inspiriert, zeugt von Handwerk ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt März 2011
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Ekkehard Pluta
Mit Simon Halsey zu sprechen, kann ein Vergnügen sein. «Oh, Sie sind von der ‹Opernwelt›!» Der Besucher hat noch nicht mal seine Jacke abgelegt, da fängt der Leiter des Rundfunkchors Berlin schon von alleine an zu erzählen: Wie Oper ihn seit seinen Anfängen begleitet hat, wie er schon als blutjunges Mitglied im Chor des King's College von Cambridge in Purcells...
Mit ihren knapp zwei Stunden Musik scheint sich die Oper «Senso» eher am Format eines Liebesfilms zu orientieren als an dem einer festlichen Grand Opera, wie man sie anlässlich der Feierlichkeiten zum 150-jährigen Jubiläum der italienischen Einheit erwarten würde. Episch ist sie also nicht, zumal die Handlung auf Camillo Boitos 1883 veröffentlichtem gleichnamigen...
Den Geburtsfehler haben schon anlässlich der Uraufführung 1981 an der Deutschen Oper Berlin hellsichtige Kritiker wie Joachim Kaiser beschrieben: «Zur Oper fehlt es ... an Gestalten, fehlt ihr die Handlung, Gedichte, Zitate, Figuren, Überraschungen, Haltungen». Das empfindet man heute noch genauso. «Aus Deutschland», Mauricio Kagels Versuch über die deutsche...
