Zwiespältig
Das Opus um einen vermeintlich mit Sehergaben ausgestatteten Vogel ist kurz nach der ersten russischen Revolution 1905 entstanden und gilt als scharfe politische Satire auf das zaristische Herrschaftssystem. Freilich geht die Oper, die Rimsky-Korsakow nach einem Märchen von Alexander Puschkin komponierte, kaum als Zeugnis einer revolutionären Gesinnung durch. «Der goldene Hahn» nimmt zwar die Unfähigkeit und Korruptheit der politischen Klasse (den Zaren eingeschlossen) aufs Korn, stellt das autokratische System aber nicht in Frage.
Das Finale mit dem ohne Herrscher ratlos zurückbleibenden Volk scheint eher nach einem starken Führer zu rufen als nach demokratischer Selbstorganisation.
Je nach Temperament und politischer Einstellung mag man aus dieser Schlusspointe eine reaktionäre Haltung oder zynischen Realismus herauslesen. Ihre Zweideutigkeit hebt die satirische Energie des Ganzen gleichsam auf. Dennoch lassen sich aus dem Stück Funken schlagen. Dass die (Amts-)Träger der Macht nur am eigenen Wohlergehen interessiert sind (Zar Dodon, seine Söhne, die Hofschranzen), ist unübersehbar. Die Macht der «Berater» offenbart sich ungeschminkt – in der Gestalt von Dodons Astrologen, der ...
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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Ingo Dorfmüller
Wenn sich im Theater an der Wien der Vorhang hebt, sehen wir eine Bühnenbox mit breiter Treppe, je nach Beleuchtung wie aus Beton oder aus friedhofsaffinem Marmor. Darauf drei zum Teil ramponierte Tasteninstrumente, ein grüner Gedenkkranz, Kerzen und zahlreiche Hingeschiedene, blutverschmiert und bleich. Wobei Letztere sich später, ars gratia artis, als Untote und...
ML = Musikalische Leitung
I = Inszenierung
B = Bühnenbild
K = Kostüme
C = Chor
S = Solisten
P = Premiere
AP = A-Premiere
BP = B-Premiere
UA = Uraufführung
WA = Wiederaufnahme
Deutschland
Aachen
Tel. 0241/478 42 44+0180/500 34 64
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Bühne
– Smetana, Die verkaufte Braut: 5. (P), 10., 16., 18., 24., 26., 30.6.; 3., 6., 10.7.
ML: Thorau, I:...
Um 1910 begeisterten sich viele italienische Autoren fürs Dekadente. Der im Schatten D’Annunzios dichtende Sem Benelli machte mit dem 1909 uraufgeführten Stück «La cena delle beffe» Furore. Bühnenstars wie Edvige Reinach und Sarah Bernhardt fingen Feuer an dem grellen Versdrama über bestialischen Sozialdarwinismus: Im Florenz der Jahre um 1480 – eine Generation...
