Zweiter Anlauf

Madrid | Monteverdi/Boesmans: Poppea e Nerone

Opernwelt - Logo

Die Sache lässt ihn einfach nicht los. Was tun mit Monteverdis perfide schillernder «Poppea»? Wie sollen wir es halten mit einem Stück von Shakespeare’schem Format, das nur skizzenhaft, in zwei unterschiedlichen Manuskripten (Venedig und Neapel) überliefert ist und vermutlich mindestens drei weitere Autoren (Cavalli, Ferrari, Sacrati) hat? Schon einmal, gegen Ende seiner Brüsseler Intendanz, stellte Gerard Mortier diese Fragen auf der Bühne zur Debatte.

Und schon damals (1989) stand für ihn fest, dass die zeitlose Brisanz des Stoffes – Macht des Eros, Eros der Macht –, einer «modernen» Klangaura bedürfe. Philippe Boesmans («Reigen», «Julie», «Yvonne») schrieb seinerzeit eine «neue» Fassung für großes Orchester, im Graben der La Monnaie Oper zog Sylvain Cambreling die Fäden.

Dreiundzwanzig Jahre später unternahmen Boesmans und Cambreling für Madrid, Mortiers aktuelle Wirkungsstätte, nun einen zweiten Anlauf. Das sinfonische Konzept des (an Bearbeitungen eines Ernst Krenek oder Gianfranco Malipiero erinnernden) ersten Entwurfs wurde aufgegeben, die dreißig Musiker des (nie zuvor mit Monteverdi konfrontierten) Klangforums Wien sind im Teatro Real vor allem solistisch gefordert. Die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2012
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Albrecht Thiemann

Weitere Beiträge
Spiel der Projektionen

Wie konfus Kulturpolitik in heutigen Krisenzeiten agiert, lässt sich schön am Modell der Opernehe sehen. In Düsseldorf/Duisburg stand das seit 56 Jahren erprobte Rheinopern-Konstrukt wieder einmal auf der Kippe, die hoch verschuldete Stadt Duisburg wollte raus aus der (für sie auch finanziell durchaus vorteilhaften) Ehe. Nach zähem Ringen soll es nun doch...

Cavalieris «Rappresentazione di Anima et di Corpo» in Berlin

Schwarz ist Achim Freyers Welttheaterbühne, und schwarz sind die allegorischen Menschenwesen, die er im Schiller Theater, dem Ausweichquartier der Berliner Staatsoper, versammelt hat. Lebende Schachfiguren, die auf schräger Ebene Schicksal spielen. Es geht, wie (fast) immer bei diesem Kunstpriester mit der staunenden Kinderseele, um letzte Dinge: Himmel und Hölle,...

Siegfrieds Tod - per SMS

Am Flaucher, südlich der Innenstadt, dort, wo das Isarbett tagsüber von Sonnenmilchduft und abends von Grillschwaden verwabert wird, da gehört so etwas dazu. Auch im Englischen Garten, am Eisbach, muss nahtlose Bräune sein. Doch München nackert, sanktioniert von aller­ehrwürdigster Kulturinstanz, das ist neu. Was für ein schräger Festspiel-Auf­takt, medial gefeiert...