Zandonai: I cavalieri di Ekebú
Riccardo Zandonai stammte aus dem gebirgigen Trentino, was vielleicht seine Vorliebe für das frostige Sujet der «Cavalieri di Ekebú» erklären hilft. Selma Lagerlöfs schwedischer Nationalroman «Gösta Berling» erhielt seine Vertonung im Geiste des Verismo, jedoch in den überwältigenden Sphärenklängen des italienischen Expressionisten, der bereits mit dem Melodram «Francesca da Rimini» seine Kunst als exotischer Tonweltenschöpfer unter Beweis gestellt hatte.
Die Idee, mit dem handlungsarmen schwedischen Seelendrama – harte Kost für ein Belcanto-Publikum – festlich die Saison zu eröffnen, zeugt vom Mut des Triestiner «Teatro Verdi».
Obwohl er wie andere Kollegen – etwa das notorische Schwarzhemd Mascagni – dem faschistischen Regime nicht feindlich gegenüberstand, zeichnet sich Zandonai mit seiner Partitur von 1922 doch durch europäischen Weitblick aus: Die Musik brilliert mit Wagner’schen Leitmotiven, Debussy’schen Melodieschattierungen und einer raffinierten Orchestrierung à la Richard Strauss. Steven Mercurio am Pult arbeitet diese handwerklichen Feinheiten ohne jeden Schmelz heraus. Wohltuend: Es fehlt das kriegerisch-kraftmeierische Element des späten Puccini oder seines ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Da hilft kein Fleckenteufel: Am Ende ist das weiße Sofa nicht weniger blutüberströmt als jene, die auf ihm lebten, liebten und starben. Dass Philipp Himmelmann kein Möbelschoner ist, hat er schon in seiner Berliner «Don Carlo»-Inszenierung bewiesen, wo Spanien an, auf und unter einem Esstisch regiert wurde. In der Heimat des Regisseurs muss nun ein Viersitzer dran...
Das Orchester als Dialogpartner. Es wird zum wahrhaft verschmitzten Diskutanten. Schüttet Spott und Ironie über den Saiten aus, Schalk stiebt aus Flöten und Blech. Verdis «Falstaff» kann für ein Orchester im besten Fall zur schmucken Visitenkarte geraten, aber auch, im schlimmsten Fall, zum kollektiven Offenbarungseid. Das London Symphony Orchestra hat sich im...
Musikalisch ist es die berühmteste Szene aus «Lucio Silla»: Giunia steigt in die Katakomben hinab. Für dieses dritte Bild des ersten Aktes schrieb der 16-jährige Mozart eine Chromatik, die weit in die Zukunft vorausweist. Natürlich hört man das Vorbild Gluck. Doch selbst wenn man dessen «Alceste» mitdenkt, bleibt die Musik erstaunlich. Die dunkle Klangfärbung...
