Wo der böhmische ­Musikant spielt

Jaromir Weinbergers «Schwanda ­dudák» als Mitschnitt aus Wexford

Opernwelt - Logo

Clemens Krauss, damals noch Operndirektor in Frankfurt, winkte erst einmal ab, als ihm die Deutsche Erstaufführung von Weinbergers «Schwanda, der Dudelsackpfeifer» (UA Prag, 1927) angeboten wurde. Das sei eine rein tschechische Angelegenheit, die in Deutschland keine Aussicht auf Erfolg habe. Als die Premiere dann kurz darauf im Stadttheater Breslau über die Bühne gegangen war, änderte nicht nur er seine Meinung (er leitete die Premieren in Wien und London); auch alle anderen Intendanten, die sich vorher ablehnend verhalten hatten, rissen sich nun um das Stück.

Die Märchenoper nach einer böhmischen Volkssage wurde in siebzehn Sprachen übersetzt und noch an den entlegensten Enden der Welt gespielt. An der Metropolitan Opera kam sie 1931 in der deutschen Textfassung von Max Brod mit Friedrich Schorr und Maria Müller in den Hauptrollen heraus.
Jaromír Weinberger, in Prag geboren und ausgebildet (bevor er Schüler von Max Reger wurde), war bis dahin ein musikalischer Nobody. Als «kleinen, mageren Mann mit einem sorgenvollen, zerfurchten Gesicht, das ihn viel älter aussehen ließ als einunddreißig» erlebte ihn der Verleger Hans Heins­heimer bei der Vertragsunterzeichnung, «er hatte dünnes, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2005
Rubrik: Platten, Seite 61
von Ekkehard Pluta

Vergriffen
Weitere Beiträge
Der frisch polierte Guss

Hector Berlioz‘ Künstleroper «Benvenuto Cellini» teilt mit Jacques Offenbachs «Les Contes d’Hoffmann» das Schicksal, dass sie lange Zeit in einer von der ursprünglichen Konzeption des Komponisten weit abweichenden Fassung aufgeführt wurde. Im Falle des «Cellini» war das eine unter Beteiligung von Berlioz und Liszt erstellte Bearbeitung für eine Inszenierung in...

Heitere Alptraumwelten

Dass dieser Herr Brouˇcek eigentlich ein unangenehmer Zeitgenosse aus der Abteilung Vermieter, Spießbürger oder Opportunist sein soll, merkt man in Matthias Oldags Inszenierung nicht so sehr. Man hört es aber auch in Janaˇceks Musik nicht wirklich heraus. Herr Brouˇcek trinkt vor allem gern mal einen über den Durst, und dann sieht er nicht nur eine, sondern zwei...

Im Sog der Assoziationen

Musikalisch ist es die berühmteste Szene aus «Lucio Silla»: Giunia steigt in die Katakomben hinab. Für dieses dritte Bild des ersten Aktes schrieb der 16-jährige Mozart eine Chromatik, die weit in die Zukunft vorausweist. Natürlich hört man das Vorbild Gluck. Doch selbst wenn man dessen «Alceste» mitdenkt, bleibt die Musik erstaunlich. Die dunkle Klangfärbung...