Wiederkehr

Das Theater Heidelberg riskiert mit dem Dirigenten Róbert Farkas und der Choreografin Nanine Linning eine Neuproduktion von Philip Glass’ «Echnaton» – und landet einen kultverdächtigen Coup

Opernwelt - Logo

In der spektakulären Optik von Achim Freyer gerieten die zu seinen herausragenden Werken zählenden drei sogenannten Porträt-Opern von Philip Glass – in der Reihenfolge «Satyagraha», «Echnaton» und «Einstein on the Beach» – zu den großen künstlerischen Erfolgen der Stuttgarter Oper in den Jahren vor Klaus Zehelein. Denkbar, dass von jenen auch äußerst publikumswirksamen Taten ein einschüchternder Effekt ausging, der sich eher blockierend auf die weitere Theaterkarriere dieser Werke auswirkte.

Mittlerweile haben sich Impakt und Verblüffungspotenzial der Minimal Music à la Glass ohnedies etwas verbraucht. All das kein Hinderungsgrund für das Heidelberger Theater, sich profund mit dem Dreistünder «Echnaton» zu beschäftigen, der seinerzeit eigens für Stuttgart komponierten Oper über den auratischen Pharao, der mit seinem kurzfristig lancierten Sonnenkult des Aton wahrscheinlich entscheidende Anstöße zur Entstehung der monotheistischen Religionen gab.

In mehr als halbjähriger Vorbereitung entstand in der Universitätsstadt für den neuen, noch immer staunenerregend schönen Marguerre-Saal eine Aufführung, die, wenn es mit rechten Dingen zugeht, einen ähnlichen Kultstatus (und Besucher von ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Hans-Klaus Jungheinrich

Weitere Beiträge
Pathos der Distanz

Seltsam. Auf ihrer Wagner-CD ist Anne Schwanewilms solistisch siebenmal zu hören: mit der Hallen-Arie der Elisabeth, dem Schlussgesang der Isolde und den Wesendonck-Liedern; diese Tracks dauern 32 Minuten und 25 Sekunden. Das Radio-Sinfonieorchester des ORF unter Cornelius Meister «füllt» die CD auf mit 33 Minuten und sieben Sekunden orchestraler Musik: der...

Im Zeichen des Kreuzes

Die Hauptrolle spielt nicht der Zar. Sondern Gott. Denn die Alexander-Newski-Kathedrale, zu deren Füßen in Sofia Modest Mussorgskys «Boris Godunow» gegeben wird, feiert neunzigstes Weihejubiläum. Kirchenpatriarch Neofit von Bulgarien sitzt im Publikum. Bevor Konstantin Chudowski das Signal zum ersten Ton der eigentlichen Oper gibt, erklingt aus den Lautsprechern...

Im Grenzstreifen

Es war angerichtet: Herz, Hirn auf dem Teller, Messer und Gabel daneben. So präsentierten sich die Wiener Festwochen 2014 in Olaf Ostens grafischem Konzept als corporate identity. Herz und Hirn, Emotion und Verstand – das mag auf den ersten Blick banal wirken, doch brachte der neue Festwochenintendant Markus Hinterhäuser die beiden Grundstoffe menschlichen Wesens...