Wie in Trance
Wozzecks Welt ist eine Scheibe. Fällt er von ihrem Rand, was ihm im Verlauf des Abends ein paar Mal passiert, fällt er ins abgründige Universum seiner wirren Fantasie. Martin Winkler spielt und singt das mit wilder, weher Leidenschaft und großer, fülliger Stimme; ein grob gewobener, doch gutmütiger Kerl, dem die Mitwelt so übel zusetzt, dass er sich zuletzt an dem rächt, was er am liebsten hat – an Marie, der Mutter seines Kindes.
Die attraktive Nicola Beller Carbone, eine «Mahagonny»-Jenny eher als das arme Büchner’sche Kleinstadtflittchen, stirbt denn auch mit einem Ausdruck entsetzten Staunens im Gesicht.
Dass man sich bei der Inszenierung, die Regisseur Philipp Himmelmann und sein Bühnenbildner Johannes Leiacker da auf die Bühne des Grazer Opernhauses gestemmt haben, etwa an Wieland Wagners Neubayreuth erinnert, ist kein Vorwurf, im Gegenteil: Das Hinterhirn speichert wohl große theatralische Leistungen, auf dass das Unterbewusstsein sie bei Bedarf assoziativ aufsteigen lässt. Im Falle dieses «Wozzeck» ist es die Spielscheibe, die sich dreht und wendet wie in Trance, ergänzt durch einen Sternenhimmel – eine Vielzahl von aus dem Bühnenhimmel hängenden Glühbirnen –, der Wozzeck ...
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Es kann Entwarnung gegeben werden: Mit «Demofoonte» wurde keine neue Mozart-Oper entdeckt. Stattdessen fiel der Kölner Musikjournalistin Sabine Radermacher die bekannte Tatsache auf, dass unter den Konzertarien des Salzburger Meisters keine Textquelle so stark vertreten ist, wie Metastasios Wiener dramma per musica aus dem Jahr 1733. Nicht weniger als sechs Arien...
In der Regel singt der Mensch, um einen außerordentlichen Gefühlszustand auszudrücken – ein Umstand, den sich der Kunstgesang zunutze macht, speziell in der Oper. Wenn einer nun «Bitte ein großes Bier» schmettert, so handelt es sich entweder um einen säumigen Vokalisten, der die Bestellung in der Kantine dazu benutzt, um sich für die Probe einzusingen. Oder aber...
«Überkandidelt», sagte jemand nach der Premiere von Strauss’ «Capriccio» an der Wiener Staatsoper. Das Wort mag etwas mit dem Kandieren zu tun haben, einer Konservierungsmethode für Obst, die den Zuckergehalt erhöht und den Wassergehalt reduziert. Die Assoziation hätte etwas für sich, denn der Gehalt von Strauss’ Partitur an reifer, gelegentlich überbordender Süße...
