Wie im Flug

Chicago, Berg: Lulu

Opernwelt - Logo

La femme plus fatale – nur mit einem solchen Superlativ kann man das packende Lulu-Porträt beschreiben, das Marlis Petersen in einer Neuproduktion an der Chicago Lyric Opera zeichnete. Oder anders ausgedrückt: Im Vergleich zu Petersens Lulu kommen einem die singenden Sirenen von Carmen bis Salome nur mehr wie harmlose Sexkätzchen vor. Als sei ihr Bergs von Mannsbildern umstellte Traumfrau auf den Leib geschrieben: Schon in Wien, Hamburg, Athen, Düsseldorf, Kassel und Nürnberg hatte sie in der Partie Triumphe gefeiert.

Und doch liegt es nicht ausschließlich an der deutschen Sopranistin, wenn die neue «Lulu» in Chicago ein so exzellentes und aufregendes Niveau erreicht, dass man versucht ist, bis zum Norma-Auftritt Maria Callas’ im Jahr 1954 zu­rückzugehen, um in der Geschichte der Lyric Opera ein Ereignis von ähnlicher Intensität zu finden.
Die Besetzung lässt keine Wünsche offen, Bühnenbild und Kostüme sind brillant gearbeitet, und das Orchester spielt unter der Leitung von Andrew Davis einfach himmlisch. Großen Anteil an diesem Erfolg hat auch Paul Curran, der sich immer mehr als einer der interessantesten Regisseure im internationalen Opernbetrieb erweist. Der Schotte kennt ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2009
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Wesley V. Blomster

Vergriffen
Weitere Beiträge
Die Verwandlung der Welt durch Liebe

Im Westen kennt man Nikolai Rimsky-Korsakow als fantasievollen musikalischen Märchenerzähler durch seine sinfonische Suite «Scheherazade». Man rühmt ihn als glänzenden Koloristen in viel gespielten Orchesterwerken wie dem «Capriccio espagnol» oder der Ouvertüre «Russische Ostern». Und man kennt den in zahllosen Transskriptionen verbreiteten «Hummelflug». Die...

Gefühlsproben

Ganz entspannt sitzen die Orchestermusiker auf der Bühne des Heidelberger Theaters, man wartet noch auf die Solisten. Offenbar soll eine sogenannte Sitzprobe stattfinden, in der die Sänger zum ersten Mal ihre Partien mit dem großen Orchester ausprobieren. Zur Sicherheit liegen die Klavierauszüge bereit, alle warten auf die Sopranistin. Schließlich wird es den...

Ein Vorschlag zur Güte

Wenn er nicht am Zeichentisch sitzt oder auf einer Baustelle herumklettert, kann man sicher sein, Stephan Braunfels in einem Opernhaus zu treffen: Unermüdlich propagiert er die Werke seines Großvaters Walter, dessen «Heilige Johanna» gerade zur «Wiederentdeckung des Jahres» gewählt wurde. Regelmäßig entwirft er Bühnenbilder – etwa für Nikolaus Lehnhoffs «Lohengrin»...