Wer mit den Fleischwölfen heult

Sondheim: Sweeney Todd
Zürich | Opernhaus

Opernwelt - Logo

Laut landläufiger Meinung muss der Tod ja ein Wiener sein. Aber das ist nur die halbe Wahrheit, denn was das vorzeitige Ableben betrifft, bleibt London das unangefochtene Kompetenzzentrum für den stilvollen Exitus. Stephen Sondheim hat mit seinem Musical um Sweeney Todd, den serienmordenden Meisterbarbier aus der Fleet Street, den Mythos noch einmal zementiert: Erst die einwandfreie Rasur macht auch eine schöne Leiche!

Ein solches Verständnis von Dienstleistung und sauberer Arbeit ist dem Schweizer Wesen nicht fremd.

Wer sich dennoch wundert, wie es «Sweeney Todd» in die Zürcher Oper geschafft hat – ein Haus, das bislang weder ausgeprägte Vorliebe für schwarzen Humor verraten noch über Gebühr mit der leichten Muse geflirtet hat – dem sei beschieden: Damit ließ sich Bryn Terfel wieder nach Zürich locken, den eine längere Geschichte mit Stück und Figur verbindet, und der überhaupt eine – hinlänglich belegte – Vorliebe für bärbeißige Außenseitertypen hegt.

Da steht er also, Terfel-Todd, nach Jahren der Verbannung in London gelandet, übellaunig und mit grimmigem Blick, fest entschlossen, Rache zu nehmen. Sondheim erzählt durchaus warmherzig, was den Figaro treibt, aber das ist ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2019
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Clemens Prokop

Weitere Beiträge
Gebremster Witz

Ein Hund als Opernheld? Es gibt (fast) nichts, was es nicht gibt. In Offenbachs opéra bouffe aus dem Jahre 1860 kommt es noch bunter: Der vierbeinige Titelheld tritt gar nicht auf, es wird nur über ihn berichtet. Die wahren Hauptpersonen sind zwei gewitzte Mädchen aus der Stadt Lahore im heutigen Pakistan.

Doch wie kam Offenbach auf den Hund? Nach einigen...

Oper als Videogame

Vermutlich war es nur eine Frage der Zeit. Videoprojektionen sind heutzutage aus den Opernhäusern nicht mehr wegzudenken. Mal bringen sie künstlerischen Mehrwert durch konstrastierende Brechungen des Bühnengeschehens. Mal verdoppeln sie nur das, was man sowieso auf der Bühne sieht. Doch immer standen sie in irgendeinem Verhältnis zur Bewegung realer...

Editorial Februar 2019

Die Rolle, in der er 1952 in Bayreuth debütierte, ist winzig. Hermann Ortel fällt kaum auf, wenn sich Wagners Nürnberger Meistersinger zur «Zunftberatung» treffen. Für den damals gerade 26-jährigen Sänger indes hatten die ersten Worte des Seifensieders besondere Bedeutung: «Immer am Ort.» Theo Adam war ein weltläufiger Lokalpatriot, der seiner Geburts- und...