Wenn es Ihnen so scheint!
Così è (se vi pare) heißt es bei Luigi Pirandello: So ist es – wenn es Ihnen so scheint ... Dieses Stück von der Unmöglichkeit, objektive Wahrheiten zu finden, geht uns während dieser Aufführung von Mozarts «Le nozze di Figaro» im Theater an der Wien nicht aus dem Kopf.
Denn Regisseur Felix Breisach verlegt das Geschehen der für ihn tiefschwarzen, düsteren (was Mozarts Musik durchaus mitträgt) Commedia in musica in ein modernes psychiatrisches Hospital, wo Sein und Schein im täglichen Clinch liegen, wo es Wirbel und Strudel psychischer Notstände, ineinander verhakter Seelen gibt. Wo auch Liebe eher weißgekacheltes Experiment ist. Und wo man Opernhandlungen als Gruppentherapie nachspielt. Gestern war es «Parsifal». Heute ist es «Figaro». Der Chefarzt (Stéphane Degout) höchstpersönlich nimmt an diesem Spiel im Spiel teil – intrigiert, tobt mit bronzenem Bariton («Vedro mente io sospiro»), geht den traumatisierten Insassinnen an die Wäsche. Seine elegante Ehefrau (Anett Fritsch), zugleich wohl für die Finanzen des Instituts zuständig, berührt uns mit von silberner Melancholie durchwirkten «Porgi amor» und «Dove sono», und die vom Primar erotisch bedrängte Lieblingspatientin (die ...
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Opernwelt Juni 2015
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Gerhard Persché
Als ich damals anfing, bläuten mir die Kollegen ein, eine Ehe zwischen Opernsängern sei wie eine Expressfahrkarte in die Hölle. Ich heiratete eine Klarinettistin; der Bund ging trotzdem in die Brüche. Also pfiff ich auf gute Ratschläge und traute mich noch einmal – mit einer Opernsängerin. Und heute, fast zwanzig Jahre später, funktioniert es immer noch erstaunlich...
Der Ort, den sich die Birmingham Opera Company für ihr diesjähriges Großprojekt ausgesucht hat, liegt in einer rauen Gegend. Man kann bloß hoffen, dass Autoklauer bei diesem Wetter lieber zu Hause bleiben: Regen trommelt Wirbel auf Dixi-Klodächer. Die großen Zelte, die als Backstage-Bereich dienen, versinken langsam im Schlamm. Generatoren rumoren.
Innen posiert die...
In Marcel Prousts legendärem, von ihm selbst sogar zweimal ausgefüllten Fragebogen sowie seinen Nachfolgern gibt es die obligate Rubrik «Lieblingskomponisten». Häufig sind die Antworten der Prominenten kanonisches name dropping – mit Bach, Mozart und Beethoven an der Spitze. Fallen indes, selten genug, Namen wie Berlioz oder Mussorgsky, ist man schon eher geneigt...
