Weit gespannt
So etwas habe er in 40 Jahren nicht gehört, sagt ein pensionierter Intendant nach dem Liederabend. Das Publikum scheint ähnlich zu denken und springt nach dem letzten Stück sofort von den Sitzen. Strahlende Gesichter überall. Wie beglückt schreiten die Menschen hinaus in den taghellen Frühsommerabend, stehen, schwatzen und schwärmen noch lange im Hof der Hakonshalle von Bergen. Die Sängerin, die das auslöst, heißt Lise Davidsen, dürfte Ende zwanzig sein und stammt aus Norwegen. Unbekannt ist sie längst nicht mehr.
Spätestens seit sie im letzten Jahr sowohl den Operalia Wettbewerb in Madrid als auch die Queen Sonja Competition in Oslo gewann, weiß die Musikwelt, dass hier eine wahrhaft ungewöhnliche Stimme heranreift. Ausgebildet bei Susanna Eken in Kopenhagen, war sie unter anderem im Frankfurter «Ring» zu hören (als Freia und Dritte Norn, die sie auch im Juli dort wieder singt), im September folgt Webers Agathe im Zürich, 2017 dann die Ariadne von Strauss in Glyndebourne. Alles kluge Entscheidungen. Möge das so bleiben und das dramatische Fach auch in Zeiten enormen Karrieredrucks lange ausgespart bleiben.
Denn, daran besteht kein Zweifel, Lise Davidsen ist eine genuin dramatische ...
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Opernwelt Juli 2016
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Stephan Mösch
Im Vereinigten Königreich hatte sich bislang noch niemand an Enescus «Oedipe» herangetraut. Jetzt zeigt Covent Garden endlich die 1936 in Paris uraufgeführte Oper – gerahmt von zwei nagelneuen Werken, Mark Simpsons «Pleasure» (eine Koproduktion mit Aldeburgh Music und Opera North) und Philip Venables «4.48 Psychosis» (mit Lyric Hammersmith und der Guildhall...
Schon merkwürdig, wie routiniert, beinahe ungerührt die Musiker des Wuppertaler Sinfonieorchesters Lulu exekutieren. Der berstende Akkord, mit dem Berg ihr grausames Ende markiert, das zu einem schreienden Memento geschichtete Vertikalbild der Zwölftonreihe, die seiner Wedekind-Oper zugrunde liegt, kommt so verhalten, so beiläufig, als sei nichts passiert....
Herr Eötvös, Sie sind 1966 als junger Mann von Budapest nach Köln gezogen, um dort zu studieren. Durch einen Zufall begegneten Sie wenige Tage nach der Ankunft Karlheinz Stockhausen. Daraus entwickelte sich eine enge Zusammenarbeit, die zehn Jahre währte. Klingt dieser frühe Einfluss bis heute nach?
Ja und nein. Ich habe von Stockhausen vor allem...
