Weg mit den Alten
Es gibt ihn also doch noch. Den roten Opernvorhang. Er teilt die Welt in ein Diesseits der schnöden Realität und ein Jenseits der magischen Möglichkeitsform des Musiktheaters. Just am Theater Luzern, wo der sonst gern selbst regieführende Intendant Benedikt von Peter in mutigen Raumkonzepten an der Aufhebung eben dieser Trennung arbeitet, behauptet die Oper dank der Inszenierung des einstigen Chéreau-Assistenten Vincent Huguet einfach mal wieder ihre Eigenweltlichkeit.
Da dürfen Juliette (Regula Mühlemann) und Roméo (Diego Silva) als wahre Novizen der Liebe so herzerweichend knutschen, sich gar inniglich umschlingen, als hätte es ein ironische Brechungen und kritische Befragungen bemühendes Regietheater nie gegeben.
Doch es geht hier nicht (nur) um die äußerliche Renaissance einer vergangen geglaubten theatralischen Tradition, sondern sehr wohl um die steinharten Verkrustungen in den Köpfen und Herzen jener Menschen, die der unerlaubten Liebe des zum Mythos geronnenen Pärchens partout keine Chance geben wollen. Die archaischen hohen Mauern, die Aurélie Maestre auf die kleine Luzerner Bühne gestellt hat, sind mindestens so klaustrophobisch wie die «Elektra»-Bildwelten der letzten, ...
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Opernwelt Dezember 2018
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Peter Krause
Das Werk ist monströs, fast 2000 Seiten lang. Brecht rühmte es als «Triumph des neuen Typs eingreifender Dichtung» – zu Recht: Mit seinem vierbändigen Revolutionsroman «November 1918» schuf Alfred Döblin ein Totalgemälde der deutschen Gesellschaft, darin sich der Konflikt zwischen radikal-aufrührerischem Marxismus und mystischem Christentum ebenso abbildet wie das...
Das Original ist Fragment geblieben. Unvollendeter Torso, Skizze, Entwurf. Und: schicksalhaft fehlgeschlagener Versuch eines Komponisten, eine geeignete Klangsprache und – als sein eigener Librettist – plausible dramaturgische Lösungen zu finden. Beinahe ein Jahrzehnt lang rang Claude Debussy mit dem Stoff, um schließlich, vom Krebs gezeichnet, die Waffen zu...
Herr Dove, was ist so komisch an Karl Marx?
Der Kontrast zwischen seinem monumentalen Werk und einem chaotischen Privatleben. Marx’ ökonomische Theorien haben die Welt verändert, doch er selbst war unfähig hauszuhalten. Er schrieb über Geld, hatte selber aber selten welches. Und während er sich in der Theorie für die Rechte der Arbeiter einsetzte, wünschte er sich...
