Warme Farben, klare Kontraste
Weil er im März des Jahres 1881 starb, hat Modest Mussorgsky die Gelegenheit knapp verpasst, Augen- und Ohrenzeuge des umfassend überarbeiteten Simon Boccanegra zu werden, mit dem Verdi im selben Jahr an der Mailänder Scala Triumphe feierte. Bedenkt man den Einfluss, den schon La forza del destino auf russische Komponisten ausgeübt hatte, so ist es reizvoll, darüber zu spekulieren, zu welch bedeutender gegenseitiger Befruchtung ein tatsächliches Aufeinandertreffen dieser zwei Vertreter verschiedener Opernkulturen geführt haben könnte.
Wie Boris Godunow ist auch Simon Boccanegra eine echte Ensembleoper. Zwar gibt es eine Hauptfigur, doch auch die Partien des Gegenspielers Fiesco, des Liebhabers Gabriele Adorno und des Bösewichts Paolo (ein Rollenvorläufer des Jago) sind groß angelegt. Nicht zu vergessen Amelia, nahezu die einzige Frauenfigur. Kurzum: Man braucht für diese Oper ein starkes Ensemble. Auch der Chor spielt in dem Stück, das nicht zuletzt ein Gesellschaftsporträt sein will, eine wichtige Rolle. Eine der eindrucksvollsten Szenen ist das Finale des Prologs: Gerade hat Boccanegra erfahren, dass seine Maria gestorben ist, da kommt das Volk herein und ernennt ihn zum Dogen. ...
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Opernwelt Januar 2013
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Carlo Vitali
Wäre nicht die Sprache, der Leos Janácek so sorgfältig den Tonfall nachkomponiert hat, könnte sich ein österreichischer Musikliebhaber in der zweitgrößten Stadt Tschechiens wie zu Hause fühlen: mit der Janácek-Oper (1965) und dem historisierenden Mahén Divadlo, 1882 als Deutsches Theater vom epidemischen Büro Helmer & Fellner entworfen.
«Genius Loci», mäßig...
Puccinis Verleger Giulio Ricordi bezeichnete Pinkerton als «un mezzo lavativo americano»: ein Brechmittel. Dieses Charakterbild mag dazu beigetragen haben, dass Puccini nach der Mailänder Uraufführung «eine hasstrunkene Orgie des Wahnsinns» erlebte. Für die zweite Fassung der Oper tilgte er die verletzenden Bemerkungen Pinkertons über Japan und verwandelte ihn in...
Das ist der Stoff, aus dem die Depressionen sind. Neureiche Eltern, Emporkömmlinge, bei denen die Selbstreflexion allerdings nicht Schritt hält mit den wachsenden Renditen. Mama pflegt das Leben als Fassade, der Ehe-Frust sucht sein Ventil im Hyper-Exaltierten. Da bleiben kaum Raum und Liebe für Tochter Antoinette, die unterm Tisch kauert, sich in Irreales...
