Wahn in der Wanne
«O vin, discaccia la tristezza» – so kannten unsere Groß- und Urgroßeltern den Opern-Hamlet des Ambroise Thomas: als viril-stählernen «italienischen» Bariton im Höhenglanz. Vokal-Legenden wie Mattia Battistini und Titta Ruffo waren seine potentesten Inkarnationen. Seit den späten Siebzigern etablierte sich Sherrill Milnes allenthalben. «Ô vin, dissipe la tristesse.» Erst in der musiktheatralen Neuzeit setzte sich international die Erkenntnis durch, dass der rachebesessene Dänenprinz musikstilistisch ein Franzose ist.
Der deutlich in den Vordergrund gerückte Grad an innehaltender Reflexion wurde von Thomas Hampson wohl am eindrucksvollsten vor Ohren geführt. An ihn reichte jetzt im Elsass Stéphane Degout heran. Bei der Übernahme der Koproduktion mit Marseille debütierte er an der Opéra national du Rhin in Mulhouse in der Partie: eine Weltklassestimme – im Grunde lyrisch, gleichwohl zu größter Expansion fähig, ein auch in der Forte-Wallung weiches, wohlgerundetes Singen von phänomenaler Strahlkraft, obendrein ein potenter Schauspieler. Und dazu die Ophélie von Ana Camelia Stefanescu – eine vokal und physisch fragile Erscheinung, einer Tänzerin gleich, mit einem Jungmädchensopran, der ...
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Opernwelt August 2011
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Heinz W. Koch
Irgendwann geht auch die längste Intendanz mal zu Ende. «Goodbye Nic» hieß es in diesem Jahr in Göttingen – denn bei den Internationalen Händel-Festspielen steht eine Zeitenwende an. Nicholas McGegan, seit 1991 Künstlerischer Leiter des ältesten deutschen Händel-Festivals, verlässt seinen Posten in der niedersächsischen Universitätsstadt und wird die Geschicke des...
Die Garsington Opera ist umgezogen: Ihr neues Zuhause ist das ausgedehnte Anwesen Wormsley in Buckinghamshire. Es gehört Mark Getty und liegt unweit der bisherigen Heimat des Festivals in Oxfordshire. Der britischen Hauptstadt ist man damit noch ein wenig näher gerückt. Wald und Parkanlagen bilden die malerische Kulisse, in die sich das neue Theater einfügt – ein...
Eigentlich ist die Geschichte zu grotesk, um glaubwürdig zu sein. Gerade beginnen sich die Alliierten im Zweiten Weltkrieg durchzusetzen, dämmert es allen Beteiligten, dass Hitlers Traum vom Tausendjährigen Reich nicht mehr war als eine aberwitzig-grausame Selbstüberhöhung, da entscheidet sich der lettische Komponist und Dirigent Bruno Skulte, zu dieser Zeit...
