Wachsen, Schrumpfen
Glanz und Elend Bayreuths sind beispielhaft an den zwei letzten Wiederaufnahmen abzulesen: auf der einen Seite «Tannhäuser», der schon 2011 ein Debakel war und leider noch verschlimmbessert wurde; auf der anderen Seite «Lohengrin», der auch in seiner vierten Saison faszinierend, vielsagend, sehens- und hörenswert, rundherum festspielwürdig ist. Schade, dass Regietheater-Altmeister Hans Neuenfels nicht zur Premiere kam. Das von der Vorstellung enthusiasmierte Publikum wäre nicht nur Tenor Klaus Florian Vogt, sondern auch ihm zu Füßen gelegen.
Sebastian Baumgarten und Nina von Mechow hingegen holten sich für «Tannhäuser» heftige Buhrufe ab. Dass Bühnenbildner Joep van Lieshout fehlte, versteht sich von selbst: Seine Biogasanlage ist zwar noch vorhanden, aber weitgehend stillgelegt. Damit wird die ohnehin schwer verständliche konzeptuelle Grundidee ad absurdum geführt. Übrig geblieben sind ein paar Statisten, die so tun, als ob der sogenannte «Technocrat» funktioniere, und ein sichtlich geschrumpftes Pseudopublikum, das doch die Wand zwischen Bühne und Auditorium einreißen sollte. Selbst das gesangliche Niveau ist bescheiden. Dirigent Axel Kober schaffte es bei seinem Debüt allerdings, ...
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Opernwelt September/Oktober 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Monika Beer
Das Verdi- und Wagner-Jahr 2013 ist auch ein Benjamin-Britten-Jahr, das aber im Jubiläumstrubel für die beiden großen Antipoden schier unterzugehen droht. Die Deutsche Oper Berlin hat, nicht eben überzeugend, «Peter Grimes» gespielt (OW 3/2013), Hamburg sich für die unterschätzte «Gloriana» eingesetzt (OW 4/2013). Die Düsseldorfer Rheinoper kündigt für die kommende...
Die Stimme ist dunkler und voller geworden, hat sich vom lyrischen Sopran zum lirico spinto mit substanzreichen Tönen in der tiefen Lage entwickelt, die gerade für die
Partie der Lady Macbeth unerlässlich sind. In der ersten Szene der Lady erweist sich Anna Netrebko als veritable donna di forza. Für das Lesen des Briefes («Nel dì della vittoria io le incontrai»)...
Götter mögen keine Kekse. Deshalb bringen die Menschen in den Longshan-Tempel Äpfel mit, auch Bananen, Papaya und Blumen. Viele der Götter, die hier versammelt sind, scheinen gemischte Teller zu bevorzugen: Je bunter die Opfergaben, desto bereitwilliger werden Gebete erhört. Kekse gibt es trotzdem – zur Stärkung der Gläubigen und zur Stärkung der Tempelkasse. Wer...
