Vor Gericht
Die Szene ist Legende. Weil sie so mysteriös ist, buchstäblich von Schlummerwolken umkränzt. «Götterdämmerung», zweiter Aufzug, erste Szene. Ein Mann sitzt, schwer bewaffnet, am Flussufer vor der Gibichungenhalle und schläft. Aber er schläft mit offenen Augen. Träumt er, dämmert er vor sich hin? Oder macht er nur ein kleines Brecht’sches Nickerchen, in dessen Verlauf ihm ausgerechnet sein Vater, der Nachtalbe Alberich, begegnet? Die Frage ist ungeklärt, zumal wir den «Schläfer» nicht mehr fragen können.
Hagen, der böse Dämon, zählt zu den zehn Todesopfern in Richard Wagners «Ring des Nibelungen».
Um diese wie um mehr oder minder erfolgreiche Liebeskonstellationen kümmert sich nun explizit Peter Ernst Küfner in seinem Buch «Vier Ehedramen und zehn Todesfälle». Doch nicht als Dramaturg oder Musikwissenschaftler untersucht Küfner die Tetralogie: Ihn interessiert die Frage, wie die Vorgänge, Handlungen und Taten aus juristischer Perspektive zu bewerten sind. Der studierte Jurist und exquisite Wagner-Kenner kann dabei aus dem Vollen schöpfen: Während er das Buch schrieb, lagen mehrere Gesetzessammlungen auf seinem Schreibtisch, deren Sprache er aus dem Effeff beherrscht, will sagen: ...
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Opernwelt Juli 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Jürgen Otten
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Unter dem Datum 1. Mai 1844 berichtet Heinrich Heine in seinem Paris-Buch «Lutetia» von einer schönen Begebenheit: «Einen ungeheuren Beifall findet Scribes neue Oper ‹Die Sirene›, wozu Auber die Musik geschrieben.» Damals ein Repertoire-Renner, ist das Stück heute nicht einmal mehr dem Titel nach bekannt. Völlig zu Unrecht, wie man jetzt dank der Initiative des...
Rot, rot, immer wieder rot. Warum fällt den Kostümbildnern für starke Frauen immer nur das eine ein? Auch Clémentine Margaine muss im neuen Berliner «Don Quichotte» als Dulcinée natürlich die Hallo-Ich-Bin-Begehrenswert-Signalfarbe tragen. Weil Katrin Wolfermann der schwangeren Sängerin aber ein denkbar spießiges Kleid mit Schleife am Hals verpasst und der...
