Oksana Sekerina (Tatjana); Foto: Werner Kmetitsch
Von innen aufgespannt
Karl Kraus spitzte seine Feder gerne gegen Gleichberechtigung: «Emanzipierte Frauen gleichen Fischen, die ans Land gekommen sind, um der Angelrute zu entgehen», vermerkte er. Bei den Grazer Bühnen käme er mit diesem Aphorismus kaum an, denn diese führen seit Jahren den Beweis, dass das weibliche Geschlecht auch in früheren Männerdomänen keineswegs den Erstickungstod erleidet. Oper und Schauspielhaus sind fest in Frauenhand – als Intendantin der Ersteren machte zunächst die Wienerin Elisabeth Sobotka Furore; vor zweieinhalb Jahren übernahm die Bernerin Nora Schmid.
Nun ist auch die Bastion des Obersten im Graben gefallen – im Herbst folgte Oksana Lyniv aus der Ukraine, vormals Assistentin Kirill Petrenkos in München, dem nach Bonn gewechselten Dirk Kaftan als Chefdirigentin.
Beim Schlussapplaus erscheint eine kleine, zarte Frau – dem neben ihr stehenden Sänger des Onegin reicht sie gerade mal bis zur Brust. Doch nichts wäre falscher als das Diminutiv «Persönchen». Denn Oksana Lyniv entwickelt am Pult eine faszinierende Energie, ohne je zu laut oder gar derb zu werden. Sie spannt die Musik quasi von innen her bis zum Möglichsten, ohne dass je der Faden reißt. Sorgsam graviert sie ...
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Opernwelt Februar 2018
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Gerhard Persché
Ein Hauch von Otto Schenk liegt in der Luft. Das schmucke Stadtpalais mit Wintergarten ist 19. Jahrhundert pur. Als Arabellas chancenloser Verehrer Graf Elemer ihr darin im reinsten Richard Wagner-Outfit seine Aufwartung macht, wähnen wir uns gar in der Zürcher Villa Wesendonck und erinnern uns daran, dass der Meister hier seine «erste und einzige Liebe» gefunden...
Besonders früh musste Elisabeth Schwarzkopf nicht aufstehen. Zwar war die junge Sopranistin im Jahr 1940 die «Frühbesetzung» in «Der Liebling des Kalifen» (nach Karl Maria von Webers «Abu Hassan»), der ersten in Deutschland speziell fürs Fernsehen produzierten Oper. Doch ging die erste Live-Ausstrahlung erst ab 15 Uhr über die damals noch spärlich vorhandenen...
Seinem Kompositionslehrer Max Bruch war er Grund genug, mit ihm zu brechen. Doch aus der Retrospektive muss man sagen: Der Weg, den Oscar Straus mit seiner ersten Operette «Die lustigen Nibelungen» einschlug, hat der Gattung besser getan als seine Wendung zum Sentiment in seinem Meisterwerk «Ein Walzertraum». Satire, zumal wider die Obrigkeit, hatte es nicht leicht...
