Von der Banalität des Bösen
Das einzig Aufregende an der Stuttgarter Neuinszenierung von Verdis «Otello» hat Hausherr Klaus Zehelein im Programmheft versteckt: seine in Zusammenarbeit mit dem Dramaturgiehospitanten Oliver Müller geschriebene Deutung des Stücks, die Boitos Libretto und Verdis Musik als liturgisches Zeichensystem entziffert, in dem ein symbolisches Geschehen festgeschrieben ist. Das ist zwar nicht gänzlich neu, aber so konsequent und überzeugend hat bisher niemand etwa Jagos blasphemisch-gegenchristliches Credo oder Desdemonas Marien-Gebet als kultische Überhöhung gelesen.
Aus einem Drama der Eifersucht wird in dieser Lesart ein «Hochamt über den Verlust des Glaubens», den des Glaubens an die Liebe wie an die Geliebte.
Leider war von diesem spekulativen Geist auf der Bühne wenig zu spüren, wenn man einmal von der madonnenhaften Goldpuppe absieht, die die Frauen in der Huldigungsszene des zweiten Aktes Desdemona überreichen – Otello zerschmettert sie im ersten Ausbruch der Raserei. Regisseur Martin Kuˇsej hielt sich dagegen umso mehr an das von Zehelein apostrophierte «Theater der Voraussetzungslosigkeit» und den dafür als Kronzeugen bemühten russischen Theaterrevolutionär Vachtangov mit seiner ...
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Wenigstens auf den Wettbewerb würden Freiburg und Saarbrücken gewiss liebend gern verzichten – den Wettbewerb nämlich, welches der beiden Häuser dem unwürdigeren Spardruck ausgesetzt ist. Als Gaetano Donizettis «Lucia di Lammermoor» dort im Zwei-Wochen-Abstand Premiere hatte, schien das Saarländische Staatstheater vorn zu liegen. Beeindruckend, wie sich der...
Spätestens nach der spektakulären «Entführung» des Katalanen Calixto Bieito dürfte jedermann klar sein, worum es im Mozart-Zyklus von Berlins Komischer Oper geht: Der unauflösliche Gegensatz zwischen triebhaftem Sex und hehrem Gefühl ist das Leitmotiv, das sowohl Bieito wie auch Konwitschny in seinem «Don Giovanni» in ihren Inszenierungen herausgestellt hatten....
«Fünftklassig» – so wurde Ottorino Respighi durch seinen Enkelschüler György Ligeti eingestuft. Es darf bezweifelt werden, ob Ligetis stupendes musikhistorisches Bewusstsein hier mehr als nur die römische Orchestertrilogie parat hatte. Denn angesichts der jetzt erstmals eingespielten Oper «La Campana sommersa» (1923-1927) bedarf das gängige Respighi-Bild dringend...
