Vom Varieté auf die Couch
Zwischen Farce und Drama liegt manchmal nur ein Augenblick. Ist die Stimmung gerade noch heiter überdreht, funkt plötzlich das böse Schicksal dazwischen und bringt alles auf Tragödienkurs. Die Lacher verstummen, die Mienen verdunkeln sich. Die Lust am schrillen Unsinn schlägt jäh in depressiven Tiefsinn um. Und doch kommt die Nähe des scheinbar Disparaten nicht von ungefähr, handelt es sich doch womöglich bloß um unterschiedliche Strategien, um mit dem Ernst der Lage fertig zu werden.
Manchmal liegt zwischen Farce und Drama auch bloß eine Theaterpause.
Zum Beispiel wenn man, wie der Regisseur Christian von Götz nun an der Oper Köln, eine ins Slapstickhafte driftende Politsatire wie die auf einem Guillaume-Apollinaire-Text fußende Opéra-bouffe «Die Brüste des Tiresias» von Francis Poulenc mit einer psychoanalytisch eingefärbten Dekonstruktion des «Ariadne»-Mythos von Bohuslav Martinu kombiniert. Zwei Stücke – aus dem Jahr 1947 das erste, von 1959 das zweite –, die kaum einmal zu hören, geschweige denn zu sehen sind. Welche Klammer sollte sie verbinden? Hier die aus Varieté und Music-Hall gespeiste Verve der Poulenc’schen Tiresiade um eine Frau, die zum Mann, und einen Mann, der zur ...
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Die Idee ist bestechend, wiewohl sie Dietrich Hilsdorf schon vor zehn Jahren als Urgrund seiner Auseinandersetzung mit Mozarts «Entführung» verwendet hatte, seinerzeit in Gelsenkirchen. Kein Harem irgendwo, sondern ein Saal eines Schlosses in der k. u. k.-Hauptstadt bildet den Spielort für seine Inszenierung. Dieter Richter hat ihm für Leipzig einen von der...
Es ist mir noch wie gestern, dass 1958 ein blond gelockter junger Mann unser Haus betrat und mich mit seinem Klavierspiel samt souveränem Vom-Blatt-Lesen verblüffte. Ich hatte mich nach einem Korrepetitor umgesehen, und mein Lehrer Hermann Weißenborn gab Ariberts stets aufmerksamer Mutter Irmgard Reimann den Rat, es doch einmal mit mir zu versuchen. Aber was ich...
Glucks «Alceste», mit der Mozart, Cherubini, Berlioz und Wagner sich komponierend auseinander gesetzt haben, gehört zu den hochgerühmten, aber selten gespielten Schlüsselwerken der Operngeschichte. Gluck hat das im Stoff wie in der Anlage auf Euripides zurückgehende kultische Drama ursprünglich auf einen Text Calzabigis 1767 für Wien geschrieben und das Werk 1776...
