Vexierspiel
Warum Schubert die Komposition seines «Lazarus»-Oratoriums abbrach, ist nicht bekannt. Gut möglich, dass ihm der für den dritten Teil des religiösen Dramas vorgesehene hymnische Erlösungston des Librettisten August Hermann Niemeyer die Eingebung verhagelte. Das im Februar 1820 entstandene Werk endet mit einem hochdramatischen Rezitativ und Arienfragment, molto espressivo: Martha, eine der beiden Schwestern des gerade verstorbenen Lazarus, appelliert an Gott, dem Toten «durch alle Sternenbahnen» folgen zu dürfen.
Doch was die Instrumente und die Sopranstimme da mit fortissimo-Nachdruck gen Himmel schicken, klingt weniger nach festem Glauben an ewiges Leben als nach dem Mut einer Verzweifelnden, der es die Sprache verschlägt.
In der Potsdamer Friedenskirche schwingt genau an dieser Stelle der Sound eines balinesischen Gongs in die abrupte Stille. Bald steigen irisierende Harmonien der Bläser auf, tragen die Stimme, die eben noch für immer verstummt schien, in eine wundersame Welt sanfter Feen und schelmischer Akrobaten, die mit ihrer Nase die Sterne berühren. In ein fröhliches Jenseits, das weder Raum noch Zeit kennt, ein Paradies vergessener Kinderträume und unerschöpflich ...
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Opernwelt Januar 2020
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Albrecht Thiemann
Der Monolog aller Monologe, er kommt schon kurz nach Beginn – nicht wie bei Shakespeare erst im dritten Akt. Als wollte Brett Dean die größte Herausforderung gleich am Anfang in Angriff nehmen. Ein Befreiungsschlag? Nun ja. Was Hamlet da murmelt, ist allenfalls ein verstümmelter Monolog, mehr lakonische Feststellung als Frage: « ... or not to be». Als müsse er zur...
Während Händel- und Vivaldi-Recitals boomen, hat die noch immer unterschätzte französische Barockoper auch hier das Nachsehen. Ihr theatrales Gesamtkunstwerk aus Aktion, Gesang und Tanz eignet sich weniger zur vokalen Selbstdarstellung als die italienische Seria mit ihren virtuosen Abgangsarien, und für den gegenwärtige Counter-Hype liefert sie kein Stimmfutter....
Vom Sommer 1787 bis zum Frühjahr des Folgejahres weilte Johann Wolfgang Goethe in Rom ‒ im «stillen Gedanken an ein allmähliches Loslösen» von der engen Weimarer Heimat und darauf bedacht, durch die Begegnung mit der Antike neue Inspiration für sein stockendes Schaffen zu bekommen. Dennoch war der Dichter keineswegs allein, sondern umgeben von Kunstfreunden, zu...
